Leopold van der Pals

Concertos for Violin, Piano & Cello / Mönch Wanderer

Gordan Trajkovic (Violine), Tobias van der Pals (Violoncello), Marianna Shirinyan (Klavier), Helsingborg Symphony Orchestra, Ltg. Fredrik Burstedt

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 01/2021 , Seite 72

In den 1930er Jahren hat­te er als Kom­pon­ist in Europa einen Namen. Doch in ein­er von Nation­al­is­mus und Krieg geprägten Zeit war für einen Kos­mopo­liten immer weniger Platz: Leopold van der Pals (1884–1966) wuchs in St. Peters­burg an der Schnittstelle west­lich­er und rus­sis­ch­er Musikkul­tur auf. Sein nieder­ländis­ch­er Vater war Fab­rikant und nieder­ländis­ch­er Gen­er­alkon­sul, sein dänis­chstäm­miger Groß­vater müt­ter­lich­er­seits Direk­tor des Konservatoriums.
Zum Kom­po­si­tion­sstudi­um ging er 1904 nach Lau­sanne und 1907 nach Berlin, wo er Mitar­beit­er des Antro­posophen Rudolf Stein­er wurde. 1915 zog er in die neu­trale Schweiz. 1934 ließ er sich in Dor­nach nieder, wo er sich schon am Auf­bau des Goetheanums beteiligt hat­te. Seine Tochter Lea van der Pals über­nahm dort 1948 die Leitung der Eurythmie-Schule.
In antro­posophis­chen Kreisen ken­nt man ihn als Kom­pon­is­ten eines Wei­h­nachtsspiels und zahlre­ich­er Begleit­musiken zu eury­th­mis­chen Übun­gen. Die weltan­schauliche Bindung an Stein­er ließ ihn nach 1945 wohl als unin­ter­es­sant für das Konzertleben erscheinen. Inzwis­chen wird er langsam wieder­ent­deckt. Großen Anteil daran hat der Cel­list Tobias van der Pals. Der gebür­tige Schwede ist Enkel von Leopolds älterem Brud­er Niko­lai, den es als Diri­gen­ten und Musik­wis­senschaftler nach Finn­land ver­schla­gen hat­te. Van der Pals’ Ton­sprache ist spätro­man­tisch geprägt, aber eher in der „nordis­chen“ Vari­ante, die über­steigerte Chro­matik in deutschöster­re­ichis­ch­er Tra­di­tion ver­mei­det. In allen drei Konz­erten der Auf­nahme erleben wir das Orch­ester als Junior­part­ner des mit seinen Kün­sten glänzen­den Solis­ten. Der rhap­sodis­che, schwärmerischschwel­gende Ton der Werke wird jew­eils überzeu­gend getroffen.
Das von Tobias van der Pals fer­tig arrang­ierte Vio­lon­cel­lokonz­ert ist die vom Kom­pon­is­ten begonnene Bear­beitung seines Sax­o­fonkonz­erts. Das als let­ztes ent­standene Klavierkonz­ert über­rascht durch neok­las­sizis­tis­che und folk­loris­tis­che Ele­mente, fügt sich aber doch der Konvention.
Stärk­er in seinem Ele­ment wirkt der Kom­pon­ist in Mönch Wan­der­er, einem pro­gram­ma­tis­chen Stück mit astrol­o­gisch-antro­posophis­ch­er Sym­bo­l­ik, das trotz sein­er „sphärischen“ Grund­hal­tung durch dif­feren­zierte Charak­ter­isierung der Him­mel­skör­p­er über­rascht und die Konz­ert­pro­gramme bere­ich­ern könnte.
Bemerkenswert ist van der Pals’ Instru­men­ta­tion­s­geschick, ins­beson­dere in den Holzbläs­er-Par­tien, die Diri­gent und Orch­ester schön zur Gel­tung brin­gen. Auf weit­ere Ent­deck­un­gen im reich­halti­gen Œuvre darf man neugierig sein.
Andreas Hauff