Rota, Nino

Concerto No. 2 per violoncello e orchestra (1973)

Klavierauszug

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2016
erschienen in: das Orchester 10/2016 , Seite 64

Nino Rota ken­nt man in erster Lin­ie als Film­musikkom­pon­is­ten, vor allem als den Oscar-prämierten Schöpfer des Sound­tracks zu Der Pate II (Fran­cis Ford Cop­po­la, 1974). Dass er mit ähn­lich­er Hingabe auch Kam­mer­musik, Opern, Bal­lette, Sin­fonien und Konz­erte schrieb, dürfte der bre­it­eren Öffentlichkeit hinge­gen weniger bekan­nt sein.
Das Cel­lokonz­ert No. 2, das Rota im Som­mer 1973 kom­ponierte und Mstislav Ros­tropovich wid­mete, wurde erst 1987, also posthum, in Bari uraufge­führt. Es weckt ein­er­seits Assozi­a­tio­nen zur Wiener Klas­sik, ander­er­seits fühlt man sich aber auch hier mitunter an den Charak­ter von Film­musik erin­nert. Mehrere – teils sehr aktuelle – Ein­spielun­gen und regelmäßige Auf­führun­gen des Stücks lassen auf seine Beliebtheit unter Cel­lis­ten schließen.
Bruno Moret­ti, der unter anderem schon Rotas Suite Le Molière imag­i­naire bei Schott Music her­aus­gegeben hat, hat jet­zt den Klavier­auszug des Cel­lokonz­erts mit Solostimme in der Edi­tion Schott veröf­fentlicht. Moret­ti, selb­st Kom­pon­ist, Musik­er, Sänger und Diri­gent, war Rotas Stu­dent und später auch sein Assis­tent; insofern kann man ihn wohl als für die Auf­gabe gle­ich mehrfach qual­i­fiziert betra­cht­en. Unab­hängig davon dürften es ihm Cel­lis­ten aber in jedem Falle danken, dass er das Cel­lokonz­ert No. 2 „kam­mer­musik­fähig“ gemacht hat.
Denn es ist ein wirk­lich schönes und inter­es­santes Werk: Der erste Satz, Alle­gro mod­er­a­to, ste­ht in der klas­sis­chen Sonaten­satz­form, Solo- und Tut­ti-Pas­sagen wech­seln einan­der ab. Der zweite Satz ist mit Vari­azioni e finale über­schrieben, wobei eben jenes Finale, die Num­mer VII der Vari­a­tio­nen, beina­he einem eigen­ständi­gen drit­ten Satz gle­ichkommt. Davor ent­fal­tet sich ein wun­der­bar lyrisches, melan­cholis­ches Cal­mo con­tem­pla­ti­vo als Vari­a­tion Num­mer VI. Ins­ge­samt trans­portiert die Musik mit ihren vie­len tänz­erischen Rhyth­men eine sehr pos­i­tive Grund­stim­mung, sie macht froh – so platt das klin­gen mag. Da allerd­ings Nino Rota selb­st sin­ngemäß geäußert haben soll, er wolle mit sein­er Musik Glück schenken, ist die For­mulierung vielle­icht doch wieder legit­im.
Dass die Umar­beitung ein­er Orch­ester­par­ti­tur in einen Klavier­auszug Her­aus­forderun­gen mit sich bringt, muss nicht extra betont wer­den. Und auch Moret­ti kann keine Patentlö­sun­gen dafür aus dem Hut zaubern, dass ein Klavier-Stac­ca­to eben kein Geigen-Pizzi­ca­to ist und ein Klavier wed­er Pauken­klänge noch die unter­schiedlichen Klang­far­ben von Holz- und Blech­bläsern imi­tieren kann. Doch zum einen lautete der ursprüngliche Titel des Werks Con­cer­to No. 2 per Vio­lon­cel­lo con accom­pa­g­na­men­to d’Orchestra, was eine unter­ge­ord­nete Rolle des Orch­esters impliziert und seinen Ersatz durch ein einzelnes Instru­ment umso eher vertret­bar erscheinen lässt. Und zum anderen gelingt es Moret­ti, den Noten­text zugun­sten der Spiel­barkeit auf dem Klavier so zu reduzieren, dass alle wichti­gen kom­pos­i­torischen Ele­mente erhal­ten bleiben.
Julia Har­tel