Mozart, Wolfgang Amadeus

Concerto

für Bassettklarinette und ORchester A-Dur KV 622, neue Version für Klarinette in A, mit Bassettklarinettenstimme, bearb. und hg. von Sabine Meyer und Reiner Wehle, Klavierauszug von Christian Ruvolo, Klavierauszug und Solostimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 73

Nur eine Annäherung an den orig­i­nalen Noten­text des Soloparts kön­nen die über 25 bere­its vorhan­de­nen Note­naus­gaben inklu­sive der Urtext-Aus­gaben von Mozarts Klar­inet­tenkonz­ert KV 622 sein: Bis heute ist der Verbleib des Manuskripts des berühmtesten und meist­ge­spiel­ten Klar­inet­tenkonz­erts nicht gek­lärt.
Span­nend ist deshalb die Frage, wie der Solopart für die Klar­inette von Anton Stadler mit der Erweiterung des Ton­um­fangs um eine Terz tiefer bis zum notierten c, die heute als Bas­set­tk­lar­inette beze­ich­net wird, aus­ge­se­hen hat. Hierzu haben ver­schiedene Klar­inet­tis­ten, mit als erster der Englän­der Alan Hack­er (1938–2012), Über­legun­gen angestellt und diese in eige­nen Note­naus­gaben verze­ich­net. Vorzugsweise wur­den Arpeg­giofig­uren in die Tiefe erweit­ert und Oktavierun­gen vorgenom­men im Ver­gle­ich zum gängi­gen Noten­text, der selb­st eine, aber eben nur eine Möglichkeit darstellte, das Konz­ert ohne die Erweiterung nach unten auf der nor­malen Klar­inette zu spie­len.
Hier set­zt die vor­liegende neue Ver­sion von Sabine Mey­er und Rein­er Wehle für die nor­male A-Klar­inette an. Die Her­aus­ge­ber haben darüber nachgedacht, dass das über­lieferte Noten­ma­te­r­i­al – die Druck­fas­sung von 1801 – nur eine Bear­beitung des ver­schol­lenen Manuskripts ist und diese deshalb hin­ter­fragt. Ziel der neuen Ver­sion ist es, möglichst viele Stellen für die A-Klar­inette klan­glich an die Bas­set­tfas­sung anzunäh­ern. Während das the­ma­tis­che Mate­r­i­al hier­von weit­ge­hend unberührt bleibt, wur­den Akko­rd­brechun­gen umgestal­tet. Viele Verän­derun­gen zur ersten Druck­fas­sung sind ein­leuch­t­end und lassen sich prob­lem­los umset­zen. Nur an weni­gen Stellen sind sie so bedeut­sam wie der Lagen­wech­sel im ersten Satz, wenn in Takt 145 ff. die ver­min­derten Akko­rde nicht mehr bis zur dreigestrich­enen Oktavlage hin­aufge­führt wer­den.
Die neue Ver­sion bietet in der Solostimme den Noten­text für die A-Klar­inette und in kleinerem Druck weit­ere Alter­na­tiv­en für diese sowie eben­falls in kleineren Zeilen die davon abwe­ichende, im Vio­lin­schlüs­sel notierte Bas­set­tk­lar­inet­ten-Fas­sung. Diese weicht an eini­gen Stellen auch vom „Urtext“ der Neuen Mozart-Aus­gabe ab, der in der Bären­re­it­er-Aus­gabe (mit wech­sel­nden Schlüs­seln) wiedergegeben wird.
Die Her­aus­ge­ber haben ihre edi­torischen Entschei­dun­gen in den Anmerkun­gen erläutert und Artiku­la­tions- und Dynamikvorschläge in der Solostimme ergänzt. Chris­t­ian Ruvo­lo hat einen pri­ma-vista-fre­undlichen, schlanken Klavier­auszug des Konz­erts erstellt, das in sein­er Schön­heit alle Diskus­sio­nen um den authen­tis­chsten Noten­text zur Neben­sache wer­den lässt.
Herib­ert Haase