Carl Maria von Weber

Concertino op. 45 für Horn (in E und F) und Orchester

hg. von Dominik Rahmer, Klavierauszug: Johannes Umbreit, Urtext

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 64

Das Con­certi­no für Horn und Orch­ester op. 45 von Carl Maria von Weber (1786–1826) wurde ursprünglich 1806 für Joseph Dautre­veaux, Hor­nist der Hofkapelle in Carl­sruhe bei Bres­lau, kom­poniert. Die erste Fas­sung ist lei­der ver­schollen. Während eines Münch­en­er Aufen­thalts im August 1815 hat Weber eine völ­lig umgear­beit­ete Neu­fas­sung des Con­certi­nos für den Hor­nisten Sebas­t­ian Rauch (1783–1844) ange­fer­tigt. Rauch war 14 Jahre als Solo­hor­nist Mit­glied der Königlichen Hofkapelle in München. Ob er das Stück jemals aufge­führt hat, ist nicht doku­men­tiert. Die ersten bekan­nten Auf­führun­gen des Con­certi­nos waren 1817 (nur Auss­chnitte) und 1822 im Leipziger Gewand­haus.

Bere­its 1816 bot Weber das Con­certino seinem Ver­leger Adolph Mar­tin Schlesinger an. Schlesinger bat um eine tech­nisch vere­in­fachte Ver­sion des anspruchsvollen Werks, um die Verkauf­schan­cen zu verbessern. Weber lehnte ab und bot 1818 das Con­certi­no mit den von Schlesinger vorgeschla­ge­nen Erle­ichterun­gen und für eine höhere Verkauf­s­summe dem Leipziger Ver­leger Carl Friedrich Peters an. Als Entschädi­gung über­ließ Weber dem verärg­erten Schlesinger das Ron­do bril­liant op. 62.

1820 erschien ein Klavier­auszug des Con­certi­nos bei Bre­itkopf & Här­tel. Mit etlichen Frei­heit­en bezüglich Artiku­la­tion und Dynamik wurde es von Hen­ri Kling bear­beit­et. 1884 veröf­fentlichte der Ver­lag Schlesinger/Robert Lien­au einen neuen Klavier­auszug sowie Orch­ester­stim­men, die sich über­wiegend an die Erstaus­gabe hiel­ten.

Als Haup­tquelle der vor­liegen­den Urtext-Edi­tion benutzte der Her­aus­ge­ber Dominik Rah­mer haupt­säch­lich die von Weber kor­rigierte Erstaus­gabe von 1818. In Aus­nah­me­fällen, die auf ein Verse­hen des Stech­ers oder Kopis­ten zurück­zuführen schienen, wur­den die Neben­quellen, die Auto­grafen-Par­ti­tur und eine Abschrift herange­zo­gen. Die Fas­sung des Klavier­auszugs wurde von Johannes Umbre­it entsprechend der Orch­ester­stim­men von 1884 erstellt.

Das Con­certi­no wurde für das ven­til­lose Naturhorn konzip­iert und stellt enorme tech­nis­che Ansprüche an den Hor­nisten. Der dama­lige Rezensent kri­tisierte, dass „dem Con­certis­ten eher zu viel, als zu wenig zuge­mu­thet“ wurde und wün­schte, der Kom­pon­ist „hätte noch mehr erle­ichternde Vari­anten für weniger aus­geze­ich­nete Vir­tu­osen hinzuge­set­zt“, denn Weber ver­langt z. B. auch mehrstim­mige Akko­rde, so genan­nte Mul­ti­phon­ics. Sie waren bere­its vor sein­er Zeit bekan­nt. Durch gle­ichzeit­iges Blasen und Sin­gen entste­hen Kombina­tionswirkungen (Dif­ferenz- und Sum­ma­tion­stöne) der Ober­ton­rei­he. Obwohl Weber diesen Effekt selb­st als „sehr unsich­er in der Aus­führung und als Kün­steleyen betra­chtet“ hat, änderte er die Stelle mit dieser erweit­erten Spiel­tech­nik in seinem Werk nicht.

Mit dieser Urtex­taus­gabe ist wieder ein exzel­lentes und anprechen­des Exem­plar bei Hen­le erschienen. Eine Horn­stimme in E und eine transponierte Stimme in F sind beigelegt. Die akribisch genaue Arbeit des Her­aus­ge­bers hat sich gelohnt.

Thomas Swart­man