Johannes Matthias Sperger

Concertino in D für Flöte, Viola, Solo-Kontrabass und Orchester

Klavierauszug und Einrichtung Solo-Kontrabass von Klaus Trumpf, Kadenzen von Stefan Malzew

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Ikuro, Stuttgart
erschienen in: das Orchester 01/2020 , Seite 66

Der 1750 in Felds­berg (damals Niederöster­re­ich, heute Tschechien) geborene Johann Matthias Sperg­er war Kom­pon­ist und Kon­tra­bassist. Das war und ist für alle Spiel­er der tief­sten Stre­ichin­stru­ments im klas­sis­chen Bere­ich ein Glücks­fall, denn es beschert ihnen eine ganze Rei­he von Konz­erten und konz­er­tan­ten Auf­gaben für ihr Instru­ment aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhun­dert. Es muss deshalb aus dieser Zeit nicht immer nur das bekan­nte Konz­ert von Karl Dit­ters von Dit­ters­dorf sein.
Die vor­liegende Aus­gabe bringt nun nicht ein reines Solokonz­ert aus der Fed­er von Sperg­er, son­dern ein Con­certi­no in D, das im Jahr 1778 ent­standen ist. Es ist also eine Art Sin­fo­nia con­cer­tante oder – wenn man so will – ein Tripelkonz­ert für Flöte, Vio­la, Kon­tra­bass und fes­tlich mit Oboen, Hörn­ern, Trompe­ten Pauken und Stre­ich­ern beset­ztes Orch­ester.
Das ist wahrlich eine aparte Kom­bi­na­tion, die bei den Solis­ten den ganzen Klan­graum der damals gebräuch­lichen Instru­mente durch­misst. Und auch der Kon­tra­bass bleibt nicht in pro­fun­den Bass­re­gio­nen, son­dern beg­ibt sich immer wieder in sehr hohe Lagen und ist deshalb sehr häu­fig im Vio­lin­schlüs­sel notiert. Über vier Oktaven geht diese Stimme.
Das Konz­ertieren der drei Solis­ten ist denn auch eine sehr schillernde und span­nende Angele­gen­heit. Dem Con­certi­no ist also die Ver­wen­dung im Konz­er­tall­t­ag sehr zu wün­schen. Er sticht in jedem Pro­gramm her­aus und gibt jedem einen speziellen Pfiff.
Der Her­aus­ge­ber Klaus Trumpf, Pro­fes­sor für Kon­tra­bass an der Musikhochschule in München und ehe­dem Solo-Kon­tra­bassist an der Berlin­er Staat­sop­er, beschäftigt sich schon lange und inten­siv mit der Musik Sperg­ers. Er fol­gt ihr bei sein­er neuen Aus­gabe des Con­certi­no getreu und ori­en­tiert sich beim hier pub­lizierten Noten­text an der Orig­i­nal­hand­schrift des Kom­pon­is­ten, von der auch eine Seite als Fak­sim­i­le zu sehen ist. Doch Trumpf möchte natür­lich auch mit Recht, dass die Musik seines Kol­le­gen aufge­führt wird — und so hat er die im Orig­i­nal in der damals üblichen Terz-Quart­stim­mung A-D-Fis-A für Kon­tra­bass geschriebe­nen Solostimme in die für das Instru­ment heute übliche Solo-Stim­mung umgeschrieben, was aber – wie der Her­aus­ge­ber im Vor­wort schreibt – nur „ger­ing­ste Ein­griffe“ erfordert habe.
Der Kom­pon­ist und Diri­gent Ste­fan Malzew hat vir­tu­ose Kaden­zen für die drei Solis­ten geschrieben, die Teil der Aus­gabe sind und sich bei der Auf­führung empfehlen. Der Klavier­auszug, der nicht nur bei der Probe­nar­beit gute Dien­ste leis­ten dürfte, stammt von Klaus Trumpf.
Doch mehr noch der prak­tis­chen Nutzbarkeit: Klaus Trumpf gibt sein­er außeror­dentlich prax­is­tauglichen, weil gut les­baren und klar beze­ich­neten Aus­gabe auch die Ver­sion für Solo-Cel­lo statt Solo-Kon­tra­bass bei, die Sperg­er 1788 bei einem Besuch in Berlin für den Cel­lo spie­len­den König Friedrich Wil­helm II. selb­st erstellt hat.
Karl Georg Berg