Werke von Georg Philipp Telemann, Giovanni Benedetto Platti, Antonio Vivaldi und Francesco Geminiani

Concerti All’Arrabbiata

Freiburger Barockorchester, Ltg. Gottfried von der Goltz

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Aparte Music
erschienen in: das Orchester 05/2022 , Seite 66

Wie bei vie­len anderen freien Ensem­bles wur­den auch beim Freiburg­er Barock­o­rch­ester in den zwei Jahren Coro­n­a­pan­demie eine Vielzahl von musikalis­chen Pro­jek­ten abge­sagt. Wirtschaftlich ist das Orch­ester aber dank eines treuen Pub­likums, zahlre­ich­er Spenden und staatlich­er Unter­stützung bis­lang rel­a­tiv gut durch die Pan­demie gekom­men. Die Zeit nutzte man neben Stream­ingkonz­erten und beson­deren, pan­demiegerecht­en Konz­ert­for­mat­en auch für etliche CD-Auf­nah­men, die nach und nach veröf­fentlicht werden.
Die Con­cer­ti All’Arrabbiata wur­den Ende Okto­ber 2020 – kurz vor dem zweit­en Lock­down – im Freiburg­er Ensem­ble­haus aufgenom­men. Sie bieten vie­len Orch­ester­mit­gliedern die Möglichkeit, sich solis­tisch zu zeigen. In Georg Philipp Tele­manns Con­cer­to in D‑Dur für zwei Hörn­er und Stre­ich­er glänzen die Hor­nisten Gijs Laceulle und Ricar­do Rodríguez mit ihrem far­bigen, sehr beweglichen Spiel. Der mal gestopfte, mal offene, zarte oder geschmetterte Klang der Naturhörn­er gibt der Inter­pre­ta­tion die richtige Schärfe, die auf dem Cov­er der CD durch einen Löf­fel Chilip­ul­ver schon ver­bildlicht angekündigt ist.
Ann-Kathrin Brügge­mann, die langjährige Solo-Oboistin des Freiburg­er Barock­o­rch­esters, vere­delt das Oboenkonz­ert in g‑Moll von Gio­van­ni Benedet­to Plat­ti mit ihrem freien Spiel und ihrer Musikalität. Wie eine Sän­gerin lässt sie im erzäh­lerischen Largo ihren ger­aden Ton mit Vibra­to auf­blühen. Die Stre­ich­er schaf­fen mit ihren kurzen, geschärften Begleitachteln eine küh­le Gegen­welt zu dieser Emotionalität.
Von den his­torischen Holzblasin­stru­menten ist das Fagott klan­glich am beschränk­testen. Umso erstaunlich­er, welche Wärme und Expres­siv­ität Javier Zafra in Anto­nio Vivald­is Konz­ert in Es-Dur RV 483 mit dem Barockfagott entwick­eln kann, zum Beispiel im hochemo­tionalen Larghet­to. Auch die Vir­tu­osität in den Außen­sätzen ist bei dem erfahre­nen spanis­chen Fagot­tis­ten gut aufge­hoben. Georg Philipp Tele­manns „Grillen-Sym­phonie“ bringt eine komis­che Note in die Con­cer­ti All’Arrabbiata hinein, wenn die flink rumpel­nden Kontrabässe
(Dane Roberts, James Munro) in Kon­takt treten mit den zarten Holzbläsern (Pic­co­lo: Daniela Lieb, Chalumeau: Loren­zo Cop­po­la, Oboe: Anne-Kathrin Brüggemann).
Mit dem Con­cer­to Grosso d‑Moll „La Fol­lia“ von Francesco Gem­ini­ani erre­icht das Album seinen Höhep­unkt. Große Vari­a­tion­skun­st, lei­den­schaftlich in Szene geset­zt vom auch im 35. Jahr seines Beste­hens immer noch vital­en, wachen Freiburg­er Barock­o­rch­ester. Da liefert sich Konz­ert­meis­ter Got­tfried von der Goltz ein pack­endes Duell mit dem Solo­cel­lis­ten Ste­fan Müh­leisen, da vere­inen sich die Stre­icher­grup­pen zu ganz homo­ge­nen, schlagkräfti­gen Teams, die das Geschehen immer wieder anheizen. Heiß und kalt, scharf und mild, berauschend und beruhi­gend wech­seln sich bei diesem Con­cer­to Grosso ab. Das Freiburg­er Barock­o­rch­ester macht daraus ein pack­endes Hörerlebnis.
Georg Rudiger