Werke von Saint-Saëns, Baermann, Ponchielli, Bizet, Prokofjew und Gershwin

Concertante for two clarinets

Duo Gurfinkel, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Ltg. Evan Alexis Christ

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Avi-music
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 66

Es scheint eine geneal­o­gis­che Eige­nart der Klar­inette zu sein, dass sie ihre Meis­ter zur Dynas­tien­bil­dung ver­führt. Das galt schon für den Wiener Anton Stadler, dem die Welt Mozarts Solokonz­ert und Klar­inet­ten­quin­tett ver­dankt, und dessen Sohn. Wenig später glänzten
die Baer­manns in München. Vater Hein­rich war der Adres­sat fast aller Klar­inet­ten­werke Webers. Das Duo Con­cer­tant seines Sohns Carl wurde zum Paradestück der Epoche.
Heute huldigen die Zwill­inge Gurfinkel aus Israel der Fam­i­lien­tra­di­tion in drit­ter Gen­er­a­tion. Groß­vater Arkady begrün­dete sie, Vater Michael – Solo-Klar­inet­tist des Israel Sym­pho­ny Orches­tra – set­zte sie vir­tu­os fort. 1992 geboren, zählen Daniel und Alexan­der bere­its zur Crème der Klar­inet­tis­ten rus­sisch-jüdis­ch­er Abstam­mung, die sich sowohl im Jazz und Klezmer als auch in der kom­ponierten Musik des 20. Jahrhun­derts stil­prä­gend her­vor­tat­en. Man denke nur an Ben­ny Good­man oder Gio­ra Fei­d­man.
Im Bestreben, dem Man­gel an inspiri­eren­der Lit­er­atur für zwei Klar­inet­ten abzuhelfen, ent­standen im 19. und 20. Jahrhun­dert etliche Bear­beitun­gen beliebter Kam­mer­musik und Orch­ester­w­erke. Allen voran Gersh­wins Rhap­sodie in Blue, deren jazz­iges Glis­san­do einem Proben­scherz des Klar­inet­tis­ten Ross Gor­man entsprun­gen sein soll. Die Fan­ta­sy on the theme of Rhap­sodie in Blue arrang­ierte Alexan­der Povolot­sky für zwei Klar­inet­ten und Sin­fonieorch­ester – ein Brud­er­tanz auf allen Klap­pen, mit dem das Duo Gurfinkel sein zün­den­des Pro­gramm beifall­treibend beschließt.
Mit Intro­duc­tion et Ron­do capric­cioso a-Moll von Camille Saint-Saëns (1863) – im Orig­i­nal für Solovi­o­line und Orch­ester, nun mit zwei Klar­inet­ten – ver­schaf­fen sich die Zwill­ings­brüder einen pikan­ten Ein­stieg: spritziger Refrain, lyrisch getönte Cou­plets. Selb­st für Lit­er­aturken­ner dürfte das Diver­ti­men­to Il Con­veg­no op. 76 für zwei Klar­inet­ten und Klavier des Ver­di-Zeitgenossen Amil­care Ponchiel­li – hier in Orch­ester­fas­sung – eine Ent­deck­ung sein: Szenen ein­er Paar­beziehung, ein Wech­sel­bad aus Liebelei und Gemurre mit Hap­py End.
Gle­icher­maßen gemüts­be­we­gend und auf­putschend als­dann Bizets Car­men-Phan­tasie mit Habanera, Seguidil­la und Todeslied, wiederum arrang­iert für zwei Klar­inet­ten und Orch­ester. Zudem eine der drei Suit­en, die Sergej Prokof­jew aus sein­er Bal­lettmusik zu Shake­spear­es Trauer­spiel Romeo und Jula kel­terte – auch sie auf zwei Klar­inet­ten pro­jiziert von dem 1972 gebore­nen israelis­chen Kom­pon­is­ten Eugene Lev­i­tas, der schon Baer­mann und Bizet gewitzt bear­beit­ete.
Unter der elek­trisieren­den Leitung von Evan Alex­is Christ trägt und umschwärmt das glänzend aufgelegte Phil­har­monis­che Orch­ester des Staat­sthe­aters Cot­tbus die beg­nade­ten Klar­inet­ten­brüder, die Zubin Mehta schon als Zwölfjährige ent­deck­te. Ein ver­heißungsvolles CD-Debüt!
Lutz Lesle