Johannes Brahms

Clarinet Sonatas op. 120/ Piano Pieces op. 119

Nicolai Pfeffer (Klarinette), Felix Wahl (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Avi 8553394
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 74

Auf ihrer ersten gemein­samen CD wid­men sich der Klar­inet­tist Nico­lai Pfef­fer und der Pianist Felix Wahl mit den bei­den Brahms-Sonat­en aus den let­zten Jahren seines Schaf­fens gle­ich dem Höhep­unkt des Kam­mer­musik-Reper­toires für Klar­inette und Klavier und stellen sich damit ein­er Vielzahl von konkur­ri­eren­den Auf­nah­men. Sie unter­schei­den sich aber vom kom­merziellen CD-Markt, da die Pro­duk­tion ein Char­i­ty-Pro­jekt für die Deutsche Kinder­Pal­lia­tivS­tiftung ist (www. palliativstiftung.de/palliativstiftung/ deutsche-kinder­pal­lia­tivs­tiftung).
Vom ersten Ton an ist eine große Übere­in­stim­mung zwis­chen den bei­den Musik­ern zu hören. Der 1985 geborene Nico­lai Pfef­fer, zu dessen Lehrern Edward Bruce, Sharon Kam und Ralph Man­no zählen, bläst mit einem geschmei­di­gen, run­den und war­men Ton, dessen Aus­geglichen­heit dem weit geschwun­genen ersten The­ma der Sonate f-Moll op. 120 Nr. 1 sehr ent­ge­genkommt.
Mit Felix Wahl, Jahrgang 1986, der in Köln bei Pavel Gililov studier­te, entste­ht ein fein aufeinan­der abges­timmtes Musizieren mit Sinn für die musikalis­chen For­mver­läufe, das von einem großen Aus­drucksver­mö­gen getra­gen wird. Der Klavier­part bleibt bei aller kom­pos­i­torischen Dichte sehr trans­par­ent, ohne auf kraftvolles und wohlk­lin­gen­des Akko­rd­spiel zu verzicht­en. Nach­den­klich erklingt der zweite Satz, auf den das sehr ele­gant gespielte Alle­gro grazioso fol­gt, zu dem dann der fan­fare­nar­tige Beginn des let­zten Satzes im Kon­trast ste­ht, in dem durch den starken Aus­druck­swillen der eine oder andere Klavier­akko­rd dann doch etwas an klan­glich­er Schärfe zulegt.
Die Sonate in Es-Dur op. 120, 2 zeigt die gle­ichen Qual­itäten des per­fekt aufeinan­der eingestell­ten und tech­nisch sou­verä­nen Duos, das sich auch hier sehr sparsam und unauf­dringlich der Agogik bedi­ent. Die Tem­pi sind sehr angemessen und geben allen motivis­chen Details der Kom­po­si­tion Raum. Der große Span­nungs­bo­gen ver­liert dabei im Kopf­satz allerd­ings ein wenig an Inten­sität. An ander­er Stelle kön­nten die dynamis­chen Unter­schiede etwas genauer real­isiert wer­den. So verze­ich­net Brahms nur an ganz weni­gen Stellen – auss­chließlich im zweit­en Satz – ein aus­drucksstarkes For­tis­si­mo. Die dynamis­che Zurück­hal­tung ver­weist auf die Verin­ner­lichung sein­er Musik in seinem Spätwerk. Diese hör­bar wer­den zu lassen, stellt die eigentliche Her­aus­forderung der Inter­pre­ta­tion der Sonat­en dar.
Pro­gram­ma­tisch überzeu­gend ist die Ergänzung der Ein­spielung der Klar­inet­ten­sonat­en durch die let­zten vier Klavier­stücke op. 119 von Johannes Brahms, die in der Inter­pre­ta­tion durch Felix Wahl die har­monis­che Raf­fi­nesse – vor allem im ersten Inter­mez­zo – und die rhyth­mis­che Vari­abil­ität der Kom­po­si­tio­nen aufzeigt, die der Pianist qua­si durch das Buch­sta­bieren des Noten­textes und sein trans­par­entes Spiel verdeut­licht. Die melodis­che Lin­ie und die Poet­ik der Stücke wer­den dabei in den Hin­ter­grund gerückt.
Das Char­i­ty-Pro­jekt hat wegen des hohen kün­st­lerischen Niveaus jede Unter­stützung ver­di­ent und man darf auf die weit­ere Zusam­me­nar­beit der Inter­pre­ten ges­pan­nt sein!
Herib­ert Haase