Delanoff Robert

Clarinet Music – „Die Zeit vergeht…“

Zoltán Kovács & Friends

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Deko Records
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 68

Aus Anlass des 75. Geburt­stags des 1942 in Trop­pau (heute Opa­va in Tschechien) gebore­nen Kom­pon­is­ten und Klar­inet­tis­ten Robert Delanoff hat der in Trossin­gen lehrende Klar­inet­tist Zoltán Kovács zusam­men mit befre­un­de­ten Musik­erkol­le­gen u.a. aus dem hr-Sin­fonieorch­ester sämtliche Kam­mer­musik­w­erke mit Beteili­gung der Klar­inette einge­spielt. Delanoff hat in seinem vielfälti­gen kom­pos­i­torischen Schaf­fen sein eigenes Instru­ment lange ver­nach­läs­sigt, erst die Begeg­nung mit Zoltán Kovács ver­an­lasste ihn in den ver­gan­genen Jahren, sich ver­stärkt der Klar­inette zuzuwen­den.
Delanoff studierte bei Wolf­gang Edward Reb­n­er in München Kom­po­si­tion und sieht in Debussy, Rav­el und Hin­demith seine Leit­bilder. Auch Ein­flüsse des Jazz sind zu find­en, die auf seine Stu­dien­zeit zurück­ge­hen, in der er eine eigene Big­band leit­ete. In vie­len Titeln spiegelt sich sein beson­deres Ver­hält­nis zur Natur.
Beziehungsre­ich wird die CD mit Die Zeit verge­ht… für Klar­inette und Klavier von 2013 eröffnet, das sich aus einem sehr ruhi­gen Vier­ton­mo­tiv her­aus entwick­elt und sich dann bis zu vir­tu­osen Par­tien belebt, um sich aus­drucksmäßig wieder zum Anfang zu wen­den. Ein tech­nis­ches Bravourstück mit per­len­den Spielfig­uren ist das Zoltán Kovács gewid­mete mit Koloratur des Kolib­ri betitelte Solostück von 2016. Stilis­tisch kon­trastiert dazu das jazz­ig-lustvolle Trio Chili! Chili! für Klar­inette, Vio­lon­cel­lo und Klavier aus dem Jahr 2012, in dem am En­de auch eine Trillerpfeife zum Ein­satz kommt. Der Besuch des Zen-Stein­gartens Ryoan­ji in Kyoto regte den Kom­pon­is­ten zur gle­ich­nami­gen Kom­po­si­tion für eine tiefe Flöte an, die er dann 2015 für Bassklar­inette bear­beit­ete. Die Musik erzeugt eine friedliche Atmo­sphäre, in der beson­ders die sonore Tiefe der Bass­kla­ri­nette zum Tra­gen kommt. For ani­mals ist ein vier­sätziges vergnüglich­es Bläserquin­tett, das 1995 ent­standen ist und an die Musik von Jean Françaix erin­nert. Der erste Satz, „The Elas­tic Bear“, set­zt die ele­gan­ten Bewe­gun­gen des Tiers in Musik um, bevor im zweit­en Satz deut­lich­es instru­men­tales Gänsegeschnat­ter, aber auch ein vom Quin­tett gesun­ge­nes Kinder­lied zu hören ist. Etwas ruhiger geht es beim Pfau im drit­ten Satz zu, während der Schlusssatz eine Mark­t­szene mit einem türkischen Truthahn darstellt. Dies alles ist wirkungsvoll und charak­ter­is­tisch instru­men­tiert.
Eine Art Liebe­serk­lärung an ei­ne Alte Buche im Englis­chen Garten ist das mit weit­geschwun­gener Melodik gestal­tete Stück aus dem Jahr 2003 in der Fas­sung für Klar­inette und Harfe. Die Darstel­lung des Ele­mentes Wass­er, ein beliebtes Sujet für Kom­pon­is­ten, greift in Tour­bil­lons für Bassklar­inette und Klavier wieder einige Jazz-Ele­mente auf, bleibt aber ins­ge­samt etwas blass.
Der aus­geze­ich­nete Klar­inet­tist Zoltán Kovács lässt zusam­men mit seinen engagiert auf­spie­len­den Fre­un­den, zu denen auch Eva Schiefer­stein und Axel Grem­melspach­er als Klavier­part­ner gehören, beim Hören der abwech­slungsre­ichen und unbeschw­erten Musik Delanoffs eine Stunde Zeit im Flug verge­hen, wohinge­gen das Lesen des infor­ma­tiv­en Book­lets ob sein­er gerin­gen Schrift­größe eine unnötige Anstren­gung ist.
Herib­ert Haase