Werke von Molter, Spohr, Mozart und anderen

Clarinet Concertos

Davide Bandieri, Kevin Banks, Kálmán Berkes, Per Billman, Jean-Marc Fessard, Henk de Graaf, Sharon Kam, Dieter Klöcker, Sebastian Manz, Oskar Michallik, Robert Plane, Giuseppe Porgo, Giovanni Punzi, David Singer, Tomoko Takashima, Maria du Toit, Kaori Tsutsui, Eddy Vannoosthuyse

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Brilliant Classics 95787
erschienen in: das Orchester 02/2019 , 64

45 Kom­po­si­tio­nen, 21 Kom­pon­is­ten, 20 ver­schiedene Klar­inet­tis­ten und eine Spiel­d­auer von über 14 Stun­den, das sind die ein­drucksvollen Zahlen dieser CD-Box Clar­inet Con­cer­tos, die einen Gang durch die Geschichte des Klar­inet­tenkonz­erts von der Entste­hung bis zur Mitte des 20. Jahrhun­derts präsen­tiert. Dabei wird der Gat­tungs­be­griff nicht allzu eng gese­hen, da auch Konz­ert­stücke, Dop­pelkonz­erte und Ähn­lich­es aus­gewählt wur­den.
Aus der Frühzeit sind fünf barock­isierende Konz­erte für D-Klar­inette von Johann Mel­chior Molter mit Henk de Graaf zu hören. Aus der Mannheimer Schule spielt der Ungar Kálmán Berkes drei Werke von Carl Stamitz, darunter auch das Konz­ert für Klar­inette und Fagott. Die Zeit der Blüte in der Klas­sik wird durch Oskar Michal­lik mit Mozarts A-Dur-Klar­inet­tenkonz­ert ein­drucksvoll doku­men­tiert, weit­er mit Franz Anton Hoffmeis­ter in der Inter­pre­ta­tion Dieter Klöck­ers, der viele unbekan­nte Konz­erte wieder ent­deckt hat, den Konz­erten und Dop­pelkonz­erten von Franz Krom­mer (Kálmán Berkes) und den Konz­erten des Finnen Bern­hard Hen­rik Crusell, gespielt von dem Stock­holmer Per Bill­man. Louis Spohrs Zusam­me­nar­beit mit Johann Simon Hermst­edt (1778–1846) brachte vier vir­tu­ose, anspruchsvolle Konz­erte her­vor, von der aus Südafri­ka stam­menden Maria du Toit sou­verän bewältigt, allerd­ings getrübt durch Knack­geräusche auf den bei­den CDs des Rezen­sion­sex­em­plars.
Carl Maria von Weber ist mit dem ARD-Preisträger Sebas­t­ian Manz zu hören. Werke des Klar­inet­tis­ten Hein­rich Baer­mann und die Konz­erte des Ital­ieners Save­rio Mer­cadante mit Dieter Klöck­er sowie die ele­gant spie­lende Sharon Kam mit Gioachi­no Rossi­nis Vari­a­tio­nen und Felix Mendelssohns Konz­ert­stück­en (Johannes Peitz am Bas­set­thorn) und das reizvolle Konz­ert von Julius Rietz ergänzen das Spek­trum der Roman­tik, die auch in Max Bruchs Dop­pelkonz­ert für Klar­inette und Vio­la von 1911 noch zu erleben ist, das der junge Ital­iener Gio­van­ni Pun­zi gestal­tet.
Den Weg ins 20. Jahrhun­dert weisen das Con­certi­no von Fer­ruc­cio Busoni mit Davide Bandieri, die Konz­erte der Englän­der Ger­ald Finzi und Charles Stan­ford, von Robert Plane mustergültig einge­spielt, und Carl Nielsens Konz­ert, von Kevin Banks sou­verän musiziert. Konz­erte von Paul Hin­demith mit dem Bel­gi­er Eddy Vanoost­huyse sowie von Aaron Cop­land mit dem Amerikan­er David Singer bele­gen die stilis­tis­che Vielfalt im 20. Jahrhun­dert, eben­so das von Jean-Marc Fes­sard einge­spielte neok­las­sizis­tis­che Konz­ert von Alexan­dre Tans­man.
Die Ein­spielun­gen dieser sehr preis­gün­sti­gen CD-Box sind lizen­zierte Auf­nah­men von 1982 bis 2018, die inter­pre­ta­torisch sehr überzeu­gen. Das englis­chsprachige Book­let enthält knappe Erläuterun­gen zur Entste­hungs­geschichte der Werke, lässt aber jegliche Infor­ma­tio­nen über die Inter­pre­ten ver­mis­sen.
Herib­ert Haase