åVictor Bruns

Chamber Music for Woodwinds

Berthold Große/Matthias Baier/ Alexander Voigt/Clemens Königstedt/Sung Kwon You (Fagott), Anja Götze/Oliver Drechsel (Klavier), The Wind Soloists of Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, 2 CDs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Capriccio C5327
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 76

Fagot­tis­ten sind stets fre­undliche Men­schen, sagt man. Deut­lich beschei­den­er als die anderen Holzbläs­er hiel­ten sie sich im musikalis­chen Unter­grund und ver­sor­gen die Kol­le­gen mit einem soli­den Bass­fun­da­ment. Die Soli und den großen Beifall über­lassen sie gern den hohen Bläsern – sagt man. Selb­stver­ständlich hat das grandiose tiefe Dop­pel­rohr weitaus mehr zu bieten.
Vic­tor Bruns, Fagot­tist und Kom­pon­ist, schrieb für sein Instru­ment eine Menge wun­der­bar­er Musik – allerd­ings gän­zlich ohne ein einziges Exper­i­ment mit neuen Spiel- oder Kompositions­techni­ken –, die hier auf zwei gelun­genen CDs vor­liegt. Los geht es mit den kurzweili­gen Fünf Stück­en für Fagott op. 12, einge­spielt vom her­vor­ra­gend aufgelegten Fagot­tis­ten Bert­hold Große, begleit­et von Oliv­er Drech­sel am Klavier. Die Fünf Stücke perlen nur so aus dem lan­gen Instru­ment, die Into­na­tion ist in jed­er Lage sich­er und ein delikates Vibra­to verziert die lan­gen Töne.
Clemens König­st­edt ent­lockt dem Kon­trafagott samtige Töne (Sechs Stücke für Kon­trafagott und Klavier op. 80), lässt es durch Kan­tile­nen schweben und koket­tiert mit der Tiefe des Instru­ments, Anja Götze begleit­et ihn am Klavier. Das aller­tief­ste Holzblasin­stru­ment tän­delt und singt hier in den kurzen Sätzen, bei König­st­edt in den allerbesten Hän­den und mit einem nicht zu leicht­en, aber sehr flex­i­blen Rohr bestückt. Vibra­to ist in dieser Tiefe allerd­ings kein per­ma­nent zuck­ern­des Bei­w­erk – dafür darf man sich über sportive Pas­sagen und san­ft gesun­gene Töne freuen.
Die Sonate für Fagott und Klavier op. 20, wiederum von Berthold Große und Oliv­er Drech­sel einge­spielt, been­det die erste CD. Unter­halt­sam und vir­tu­os kommt sie daher, jed­er Ton sitzt. Die Bläser­solis­ten des Rund­funk-Sin­fonieorch­esters Berlin (Ulf-Dieter Schaaff, Thomas Her­zog, Peter Pfeifer, Ingo Klink­hammer, Alexan­der Voigt) sind mit Bruns’ Bläserquin­tett op. 16 eben­falls auf CD 1 vertreten. Sie servieren gekon­nt ein Schmankerl der Kam­mer­musik mit schö­nen Soli für alle fünf Musik­er.
CD 2 wartet am Ende mit Vier vir­tu­osen Stück­en für Fagott solo op. 93 auf. Fagot­tist Sung Kwon You bril­liert hier in jed­er Phrase, entspan­nt und voller Freude an der Mu­sik Bruns’. Auch ein seltenes Fagot­tquar­tett (Kleine Suite Nr. 3 für 3 Fagotte und Kon­trafagott op. 92) ist gle­ich zu Beginn dieser CD vertreten. Sat­ter Sound, flottes und leicht­es Spiel und ein beachtlich­es Farbspekt­rum gefall­en sofort. Hier sind vier Kön­ner unter sich, ein Geschenk für die Zuhör­er. Flöte, Oboe, Klar­inette und Fagott erklin­gen im Bläserquar­tett op. 18 und überzeu­gen in jedem Takt. Zwei kurzweilige, aber vir­tu­ose Sonat­en für Fagott und Klavier (Nr. 3 op. 86 und Nr. 2 op. 45) haben Große und Drech­sel noch für diese zweite CD bere­it. Man ist kein biss­chen über­rascht, auch hier ist wieder die her­aus­ra­gende Qual­ität aller bish­eri­gen Ein­spielun­gen zu hören. Ein großer Strauß bunter melodis­ch­er Ein­fälle von Bruns – Fagott und Klavier genießen es hör­bar.
Heike Eick­hoff