Groslot, Robert

Chamber Music for Clarinet

Vlad Weverbergh (Klarinette), Jan Michiels (Klavier), Eline Groslot (Harfe), Tony Nys (Viola)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Grsolot Music Editors GM 1403
erschienen in: das Orchester 03/2015 , Seite 82

Der 1951 geborene Bel­gi­er Robert Groslot hat sich zunächst als Pianist und Diri­gent mit dem von ihm gegrün­de­ten Orch­ester „Il nove­cen­to“ einen Namen gemacht. Inzwis­chen nimmt das kom­pos­i­torische Schaf­fen aber eine dom­i­nante Rolle ein. Sein Œuvre weist sehr viele Solokonz­erte und Orch­ester­w­erke auf. In den ver­gan­genen Jahren wandte er sich ver­stärkt der Kam­mer­musik zu. Der Klar­inette hat er auch in jün­geren Jahren seine Aufmerk­samkeit gewid­met, indem er einige Werke für den bel­gis­chen Klar­inet­tis­ten Wal­ter Boeykens schrieb, den er häu­fig als Pianist begleit­et hat. Nun regte ihn Vlad Wever­bergh, Schüler von Boeykens, zu weit­eren Werken an, die neben ein­er früheren Kom­po­si­tion von 2010 alle inner­halb des Jahres 2013 ent­standen sind.
Paint­ed Curves für Klar­inette und Stre­ichquar­tett eröffnet die CD, ein vier­sätziges Klar­inet­ten­quin­tett, dessen kurze Sätze von Bildern von Beat­riz Mil­hazes, Fred Tomasel­li, Neo Rauch und Tom Wes­sel­mann inspiri­ert sind. Typ­is­ches der Ton­sprache Groslots find­et sich darin in beson­ders gelun­gener Aus­prä­gung: Klein­mo­tivik, musikalis­ches Dial­o­gisieren, Dom­i­nanz der hellen Klang­far­ben, Spiel­freude bis hin zur Vir­tu­osität und offene Form, basierend auf erweit­ert­er Tonal­ität und tra­di­tioneller Spiel­tech­nik. Es fol­gen die sechs Minia­turen Wagner’s Moon für Klar­inette und Klavier, die allerd­ings nur schw­er nachvol­lziehbare Reflex­io­nen über Richard Wag­n­ers Tris­tanakko­rd darstellen.
Die sel­tene Instru­mentenkom­bi­na­tion Klar­inette und Harfe find­et sich in drei Sätzen, die sich auf mit­te­lal­ter­liche Kom­po­si­tion­s­muster beziehen: Hoque­tus, eine zivil­isierte Battaglia, und ein verin­ner­licht­es Madri­gal. Der franzö­sis­chen Musik nähert sich die Suite Par­fums Ephémères an, die für Klar­inette, Vio­la und Klavier geset­zt ist. Hier find­en sich nicht nur in den Titeln der fünf Sätze Anspielun­gen auf Musik Debussys: „L’homme et la mer“, „Brumes et pluies“, „Allé­gorie“, „Le Masque“ und „Son­net d’automne“. Stilis­tisch greift Groslot mit par­al­le­len Akko­r­den und der Ver­wen­dung der Modal­ität auch auf impres­sion­is­tis­che Stilmit­tel zurück. Zwis­chen diesen kam­mer­musikalis­chen Werken spielt Vlad Wever­bergh drei Solosätze: State­ment für Bas­set­thorn, Reflec­tion für Klar­inette und das mit vie­len Vorschlags­fig­uren an Vogel­rufe erin­nernde äußerst vir­tu­ose Stück Con­clu­sion für Es-Klarinette.
Der Klar­inet­tist Vlad Wever­bergh erweist sich auf der CD als äußerst ver­siert­er mit flex­i­bler Tonge­bung spie­len­der und den vir­tu­osen Ansprüchen der Musik Groslots müh­e­los gewach­sen­er Inter­pret. Gle­ich­es gilt für seine Musizier­part­ner, allen voran für den Pianis­ten Jan Michiels. Ihnen gelingt es, in den knapp siebzig Minuten kurzweiliger und espritvoller Kam­mer­musik Groslots – auch wenn auf Dauer der etwas gle­ich­för­mige Kom­po­si­tion­sstil das Inter­esse ein wenig erlah­men lässt – dessen Cre­do zu ver­mit­teln: „Ich möchte der Musik das Lächeln zurückgeben.“
Herib­ert Haase