Carl Philipp Emanuel Bach

Cello Concertos/Symphony H.648

Jean-Guihen Queyras (Violoncello), Ensemble Resonanz, Ltg. Riccardo Minasi

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Harmonia Mundi Musique
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 71

Das Wirken von Carl Philipp Emanuel Bach fällt in die Zeit des Über­gangs vom Barock zur Klas­sik und damit in eine Zeit der Umbrüche. Bere­its die für die Beze­ich­nung dieser Phase des 18. Jahrhun­derts in Fachkreisen kon­tro­vers ver­wen­de­ten Begriffe wie Rokoko, Vork­las­sik, Sturm und Drang oder empfind­samer und galanter Stil ver­an­schaulichen die Vielschichtigkeit dieser Entwick­lung, die sich ret­ro­spek­tiv schon allein wegen der For­mung wesentlich­er Gat­tun­gen wie der Sin­fonie als bahn­brechend für die weit­ere Musikgeschichte erweisen sollte. Der zweitäl­teste Sohn Johann Sebas­t­ian Bachs, C. Ph. E. Bach, dem die vor­liegende CD gewid­met ist, kann als ein­er der wichtig­sten Vertreter dieser Epoche ange­se­hen wer­den.
Mit sein­er musikäs­thetis­chen Anschau­ung von Empfind­samkeit mit ihren melodiösen Artiku­la­tio­nen löste er sich nicht nur vom Kom­po­si­tion­sstil seines Vaters, son­dern war zu Lebzeit­en wesentlich berühmter als dieser. Die von dem Ensem­ble Res­o­nanz unter der Leitung von Ric­car­do Minasi einge­spiel­ten Werke repräsen­tieren in wesentlichen Zügen diese fortschrit­tlichen Ideen. Dabei entspricht die kleine Beset­zung der Stim­m­grup­pen – beispiels­weise beste­hen die ersten und zweit­en Vio­li­nen aus lediglich fünf Instru­men­tal­is­ten – den Gepflo­gen­heit­en der Zeit und ermöglicht einen authen­tis­chen Ein­druck. Das Cem­ba­lo als Gen­er­al­bassin­stru­ment, welch­es als Relikt aus dem Barock noch ein wichtiges charak­ter­is­tis­ches Merk­mal in dieser Über­gangsphase darstellt, ist dank der sparsamen Beset­zung deut­lich her­auszuhören.
Bildet die dreisätzige Sin­fonie in G-Dur ein Beispiel für die frühe Auseinan­der­set­zung Bachs mit dieser Gat­tung, stellen die bei­den Cel­lokonz­erte in a-Moll und A-Dur mit dem Solis­ten Jean-Gui­hen Queyras die Höhep­unk­te der Auf­nahme dar. Sein Spiel besticht mit ein­er wun­der­vollen Tief­gründigkeit und Wärme, was beson­ders in den Solo-Episo­den zum Aus­druck kommt. Queyras gelingt es dabei vorzüglich, dem Instru­ment, einem Cel­lo von Giof­fre­do Cap­pa aus dem Jahr 1696, einen edlen und von aus­ge­sproch­en­er Kantabil­ität getra­ge­nen Ton zu ent­lock­en. Auch in vir­tu­osen Pas­sagen und bei Dop­pel­grif­f­en bril­liert Queyras mit einem reinen, geschmei­digen Klang. Das Zusam­men­spiel mit dem Ensem­ble Res­o­nanz erweist sich als Sym­biose höch­sten kün­st­lerischen Anspruchs mit dem Ergeb­nis ein­er unendlich feinen wie exzel­len­ten Inter­pre­ta­tion.
Ergänzt wird die meis­ter­hafte Ein­spielung durch einen fach­lich fundierten Book­let­text von Peter Woll­ny, Direk­tor des Leipziger Bach-Archivs. Der Leser erhält sowohl umfassende Ein­blicke in das Wirken C. Ph. E. Bachs als auch in den geschichtlich-biografis­chen Kon­text der einge­spiel­ten Stücke, was die ganzheitliche Erschließung von Werk und Schöpfer ermöglicht.
Schließlich ist die her­vor­ra­gende Klangqual­ität der Ein­spielung zu erwäh­nen, welche den Hör­genuss zusät­zlich fördert. Alles in allem ist diese Auf­nahme eine run­dum gelun­gene CD-Pro­duk­tion von höchst qual­i­ta­tivem Wert.
Bernd Wladi­ka