Dmitrij Schostakowitsch

Cello concertos

Marc Coppey (Violoncello), Polish National Radio Symphony Orchestra, Ltg. Lawrence Foster

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Audite
erschienen in: das Orchester 07-08/2021 , Seite 75

Schostakow­itsch hat seine bei­den Cel­lokonz­erte als Ein­heit betra­chtet. Die volk­sna­he Neoro­man­tik ist vor allem seinen späteren Werken anzumerken, weniger den bei­den Cel­lokonz­erten. Ger­ade diesen bemerkenswerten Aspekt arbeit­et der franzö­sis­che Cel­list Marc Coppey mit dem Pol­ish Nation­al Radio Sym­pho­ny Orches­tra unter der inspiri­eren­den Leitung von Lawrence Fos­ter sehr präzis her­aus. Die über­legene Beherrschung der Form und des poly­fo­nen Satzes tritt über­all zutage, das­selbe gilt für die vir­tu­ose Orchesterbehandlung.
Bei dieser Auf­nahme ergänzen sich Solist und Orch­ester in aus­drucksvoller Weise. Dabei bleibt Tschaikowsky spür­bar – und auch Gus­tav Mahler ist hin­sichtlich der Al-fres­co-Tech­nik immer wieder deut­lich her­auszuhören. Gele­gentlich erklin­gen auch Volksmusik-Rem­i­niszen­zen. Den­noch sind die bei­den Cel­lokonz­erte in jedem Fall gegensätzlich.
Von Mstis­law Ros­tropow­itsch wurde das erste Cel­lokonz­ert op. 107 im Jahr 1959 in Leningrad aus der Taufe gehoben. Neben dem Horn sind in der kleinen Orch­esterbe­set­zung auch Pauke und Celes­ta vertreten. Hier erweist sich das Solo­horn als ger­adezu aufre­gen­der Dialog­part­ner des Cel­los, homo­gene Klang­grup­pen unter­stre­ichen den har­monisch eher durch­sichti­gen Charak­ter dieses Werkes. Der Solist Marc Coppey arbeit­et die Klangfülle der Kan­tile­nen ein­dringlich her­aus. Den drit­ten Satz inter­pretieren Coppey und Fos­ter sehr über­schwänglich und aus­ge­lassen – Fos­ter beze­ich­nete ihn sog­ar als „Zirkus­fi­nale“.
Das zweite Cel­lokonz­ert op. 126 aus dem Jahr 1966 erhält mit Schlagzeug, Xylo­fon und zwei Har­fen aufre­gende neue Klang­far­ben, denen sich Marc Coppey sehr gut anpasst. Das vom Tam­burin begleit­ete Cel­loso­lo inter­pretiert Coppey facetten­re­ich und dynamisch aus­ge­wogen. Das zweite Konz­ert begin­nt mit dem Inter­vall der „Seufz­er-Sekunde“, Assozi­a­tio­nen zu Gus­tav Mahlers Lied von der Erde sind nicht zu über­hören, wer­den von Coppey aber nicht auf­dringlich betont.
Die Kühn­heit­en der Har­monik treten bei diesem Cel­lospiel zwar offen zutage, aber es wer­den auch die roman­tis­chen Dimen­sio­nen nicht ver­leugnet. Das Cel­lo spricht hier eine ganz eigene Klang­sprache, die den Zuhör­er unmit­tel­bar berührt. Vielle­icht ist es auch die Lei­dens­fähigkeit, die bei dieser Musik zum Aus­druck kommt. Beson­ders im zweit­en Konz­ert gelingt es dem Cel­lis­ten Coppey, zusam­men mit den Musik­ern des Pol­ish Nation­al Radio Sym­pho­ny Orches­tra, die mod­u­la­torische Kühn­heit der Kom­po­si­tion dif­feren­ziert zum Aus­druck zu bringen.
Der Appell der bei­den Hörn­er mit Trom­mel­wirbel am Beginn des Finales ist für den Diri­gen­ten Lawrence Fos­ter ganz außergewöhn­lich – und das fol­gende, vom Tam­burin begleit­ete Cel­loso­lo prägt sich deswe­gen tief ein. Coppey trifft den elegis­chen Cel­loton überzeugend.
Alexan­der Walther