Schumann, Robert

Cello Concerto / Works for Cello & Piano

Raphael Wallfisch (Violoncello), John York (Klavier), Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Ltg. Niklas Willén

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Nimbus Records NI 5916
erschienen in: das Orchester 04/2015 , Seite 78

Schu­manns Cel­lokonz­ert im „Pock­et-For­mat“? Dies wäre keine zutr­e­f­fende Beschrei­bung, denn selb­stver­ständlich bleibt in der hier einge­spiel­ten Ver­sion die kom­pos­i­torische Sub­stanz unange­tastet. Anstelle eines Sin­fonieorch­esters ist lediglich ein Stre­i­chorch­ester zu hören. Der Schweiz­er Kom­pon­ist Arthur Lilien­thal hat die Fas­sung im Auf­trag des Solis­ten Raphael Wall­fisch erstellt. Gewiss: Die Bläser­far­ben in den drei ein­lei­t­en­den Akko­r­den (und nicht nur dort) gehen uns schmer­zlich ab. Schnell indes haben wir uns in die neue Klan­glichkeit einge­hört und nehmen sog­ar manche Pas­sage, die in der gewohn­ten Orchestrierung Gefahr läuft, „dick“ zu ger­at­en, in neuer Trans­parenz wahr.
Es lassen sich gute Argu­mente find­en, die ein­er Adap­tion ger­ade dieses Konz­erts für reduziertes Orch­ester (vgl. die Rezen­sion der Stre­icher­fas­sung von Markus Höring in: das Orch­ester 10/2013, S. 76) Vorschub leis­ten: Gegenüber seinem Ver­leger äußerte der Kom­pon­ist die Idee, „daß es vielle­icht zum Vortheil sein würde, wenn man ein Sait­en­quar­tet­tarrange­ment ausar­beit­ete, auf daß man es auch in Pri­vatkreisen aus­führen kön­nte“. Auf diese Weise gedachte Schu­mann, das kom­plexe, für den Solis­ten höchst anspruchsvolle Werk Ken­nern und Lieb­habern zugänglich zu machen. Zur Qua­si-Autorisierung durch den Kom­pon­is­ten tritt – aus heutiger Sicht – der Blick auf das schmale Cel­loreper­toire und der berechtigte Wun­sch nach dessen Erweiterung. Cel­lokonz­erte, die mit kleinbe­set­ztem Orch­ester aus­führbar sind und nicht aus dem 18. Jahrhun­dert stam­men, sind Man­gel­ware. Und noch ein weit­eres Argu­ment kommt hinzu: Bal­an­ceprob­leme zwis­chen Soloin­stru­ment und Orch­ester – in der sin­fonis­chen Fas­sung gele­gentlich ein The­ma – dürften hier kaum auftreten.
Raphael Wall­fisch spielt den Solopart mit aller gebote­nen Verve, wobei die Ton­fär­bung gele­gentlich ein wenig rau gerät. Kleine Into­na­tion­ss­chwächen in den hohen Pas­sagen und ein unflex­i­bles (meist sehr weites) Vibra­to trüben den ins­ge­samt dur­chaus pos­i­tiv­en Gesamtein­druck. Hier spielt ein guter, vor dem Hin­ter­grund enormer Konkur­renz heutiger Tage allerd­ings nicht über­ra­gen­der Solist.
Ergänzt wird die Auf­nahme durch Schu­manns Gesam­melte Werke für Cel­lo und Klavier: die (in der Tat für Cel­lo kom­ponierten) Stücke im Volks­ton op. 102, die von Cel­lis­ten gern adop­tierten Fan­tasi­estücke op. 73 sowie das Ada­gio und Alle­gro op. 70. Auch hier hören wir ein eher mas­siges, durch antiquierte Aus­drucks­gesten (Glis­san­di, Por­ta­men­ti) angere­ichertes Cel­lospiel. Warum Wall­fisch die ver­track­te Dop­pel­griff­pas­sage im drit­ten Volk­ston-Stück zunächst nach unten oktaviert spielt, bleibt sein Geheim­nis. Ver­drießlich stim­men zwei weit­ere Werke auf der gut gefüll­ten CD: eine Bear­beitung der Oboen-Romanzen op. 49 – deren Schlichtheit jede Aus­führung durch vibratofähige Instru­mente ver­bi­eten sollte – und Adap­tio­nen zweier Lieder aus dem Eichen­dorff-Liederkreis op. 39, arrang­iert vom Klavier­be­gleit­er John York: So gespielt, mutiert die Mond­nacht zum Salon-Kitsch.
Ger­hard Anders