Robert Schumann

Cello Concerto/Works for Cello and Piano

Gabriel Schwabe (Violoncello), Nicholas Rimmer (Klavier), Royal Northern Sinfonia, Ltg. Lars Vogt

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 72

Sie war besorgt um Ruf und Erbe ihres berühmten Mannes: Clara Schu­mann, selb­st hochberühmte Pianistin und Nach­lassver­wal­terin des Schumann’schen Œuvres. Ihre Befürch­tun­gen richteten sich auf Werke aus Schu­manns let­zter Schaf­fen­sphase vor dem nervlichen Zusam­men­bruch im Feb­ru­ar 1854. Zeigen sich hier tat­säch­lich Anze­ichen von – im Dik­tum der Zeit – „Geis­teskrankheit“? Schu­manns späte Vio­lin­werke und der Klavierzyk­lus Gesänge der Frühe op. 133 blieben, teils dank glück­lich­er Zufälle, erhal­ten. Seine Fünf Romanzen für Vio­lon­cel­lo und Klavier hinge­gen hat Clara offen­bar keines­falls der Musik­welt über­lassen wollen: Sie ver­nichtete das Manuskript. Kein Zweifel hin­sichtlich der Lauterkeit ihrer Absicht­en, doch wie bedauer­lich ander­er­seits, dass mithin nur ein Schu­mann-Orig­i­nal­w­erk für Cel­lo und Klavier – die Stücke im Volk­ston op. 102 – über­lebt hat.
Zweifel­los hat­te Schu­mann zum Cel­lo eine beson­dere Affinität, der er im 1850 ent­stande­nen Cel­lokonz­ert aus­giebig gefrönt hat. Zudem ver­sah er zwei Kom­po­si­tio­nen aus dem Kam­mer­musik­jahr 1849 expliz­it mit der Beset­zungs-Alter­na­tive Cel­lo: Ada­gio und Alle­gro für Horn und Klavier op. 70 sowie die Fan­tasi­estücke op. 73 für Klar­inette und Klavier. All dies (und noch mehr) ist zu hören in der vor­liegen­den Ein­spielung.
Der 1988 geborene Cel­list Gabriel Schwabe war Preisträger beim Grand Prix Emanuel Feuer­mann, beim Deutschen Musik­wet­tbe­werb und konz­ertiert weltweit mit renom­mierten Orch­estern und Kam­mer­musik­part­nern. Gemein­sam mit Nicholas Rim­mer – der junge Pianist studierte in Cam­bridge und Han­nover und gehört zu den gefragtesten Kam­mer­musik­ern und Lied­be­gleit­ern sein­er Gen­er­a­tion – gestal­tet Schwabe einen Schu­mann-Ton, der von Leichtigkeit, Strin­genz und sicherem Gefühl für Phrasierung und Artiku­la­tion gekennze­ich­net ist. Manch schnelles Tem­po über­rascht, doch stets stimmt der Ges­tus. Dass Schu­manns Musik kein­er­lei Schw­er­fäl­ligkeit verträgt, dass alles Schwärmerische, aller Humor, aber auch die zarteste Poe­sie von sub­tilem Drän­gen erfüllt ist – Schwabe und Rim­mer machen es überzeu­gend und mit großer Klangkul­tur hör­bar. Die Werkrei­he wird ergänzt durch zwei Kom­po­si­tio­nen, deren Soloparts Schwabe für Cel­lo adap­tiert hat: die drei Romanzen op. 94 – ein 1849 ent­standenes Orig­i­nal­w­erk für Oboe und Klavier – sowie das Inter­mez­zo aus der ursprünglich für Vio­line geschriebe­nen F.A.E.-Sonate.
Klarheit und zugle­ich tiefe Empfind­samkeit prä­gen auch die exzel­lente Auf­nahme des Schumann’schen Cel­lokonz­erts, Gabriel Schwabe wird begleit­et von der Roy­al North­ern Sin­fo­nia unter Lars Vogt. Die Inter­pre­ten nehmen Schu­manns verblüf­fend schnelle Metrono­mangaben nicht nur ernst, son­dern zum Anlass, jen­em oft ver­nach­läs­sigten Aspekt nachzus­püren, der den Kom­pon­is­ten offen­bar vorschwebte, als er seinem Ver­leger gegenüber das Cel­lokonz­ert als „dur­chaus heit­eres Stück“ charak­ter­isierte.
Ger­hard Anders