Fitzenhagen, Wilhelm

Cello Concerto No. 1 & 2 / Resignation / Ballade / Variations on a Rococo theme

Alban Gerhardt (Violoncello), Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ltg. Stefan Blunier

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hyperion CDA68063
erschienen in: das Orchester 02/2016 , Seite 72

Der Cel­list, Päd­a­goge und Kom­pon­ist Karl Friedrich Wil­helm Fitzen­hagen (1848 – 1890) ist ver­mut­lich nur weni­gen Lesern bekan­nt – zu Unrecht, da er zu seinen Lebzeit­en von Pub­likum und Musik­ern gle­icher­maßen geschätzt wurde. So schlug er beispiel­sweise eine Ein­ladung Franz Liszts als Solo­cel­list in der großher­zoglichen Kapelle in Weimar aus, um mit nur 22 Jahren seine Pro­fes­sur am Moskauer Kon­ser­va­to­ri­um anzutreten. Auch in Rus­s­land machte sich Fitzen­hagen schnell einen Namen und prägte maßge­blich die Entwick­lung der rus­sis­chen Celloschule.
Eine enge Fre­und­schaft ver­band ihn mit Peter Tschaikowsky. Als dieser ihn um Rat bat bezüglich der Cel­lostimme sein­er Vari­a­tio­nen über ein Rokoko-The­ma op. 33, über­ar­beit­ete Fitzen­hagen das Manuskript kurz­er­hand völ­lig: Er änderte die Rei­hen­folge der Vari­a­tio­nen, strich die let­zte kom­plett und ergänzte Pas­sagen und Tem­pi­wech­sel. So viel Mut sollte belohnt wer­den! Tschaikowsky soll recht entspan­nt reagiert haben: „Hol’s der Teufel. Soll es so ste­hen bleiben, wie es ist.“ Bis heute wird vor­rangig Fitzen­hagens Bear­beitung des Stücks aufge­führt. Sie erklingt auch auf der hier vor­liegen­den CD.
Hauptziel der Ein­spielung ist es aber, Fitzen­hagens eigene, kaum bekan­nte Kom­po­si­tio­nen pub­lik zu machen. Sie überzeu­gen in ihrer Aus­drucksstärke, Eingängigkeit und Var­i­anz. Fitzen­hagen ging dabei ver­mut­lich auto­di­dak­tisch ans Werk, da er wohl keinen Kom­po­si­tion­sun­ter­richt erhal­ten hat.
In Fitzen­hagens Cel­lokonz­ert Nr. 1 h‑Moll op. 2 bildet das sehr lyrische, lied­hafte Andante den Mit­telpunkt. Es wird von zwei vir­tu­osen Eck­sätzen umrahmt. Fast opern­hafte Züge entwick­elt das zweite Cel­lokonz­ert in a‑Moll op. 4, das den Unter­ti­tel Fan­tas­tique trägt. Es verbindet in sein­er durchkom­ponierten Form Emo­tio­nen aller Art. Rez­i­ta­tive tre­f­fen auf sehr gesan­gliche und hochvir­tu­ose Passagen.
Wil­helm Fitzen­hagens kom­pos­i­torisch­er Ein­fall­sre­ich­tum zeigt sich auch in der Ver­wen­dung ungewöhn­lich­er Beset­zun­gen. So wird das Vio­lon­cel­lo in Res­ig­na­tion op. 8 in seinem hym­nis­chen, kantablen Gesang durch eine Flo¨te, eine Oboe, zwei Klar­inet­ten, Fagotte und Ho¨rner sowie Cel­li und Kontraba¨sse begleit­et. Abgerun­det wird die Ein­spielung von Fitzen­hagens Kom­po­si­tio­nen durch die Bal­lade op. 10, ein etwa 15-minütiges Konz­ert­stück, welch­es das Vio­lon­cel­lo in all seinen klan­glichen Facetten zur Gel­tung bringt.
Alban Ger­hardt und das Deutsche Sym­phonie-Orch­ester Berlin unter der Leitung von Ste­fan Blu­nier überzeu­gen im Zusam­men­spiel durch klan­gliche und dif­feren­zierte musikalis­che Gestal­tung beson­ders der gesan­glichen Momente und machen Lust darauf, mehr von Wil­helm Fitzen­hagen zu hören!
Anna Catha­ri­na Nimczik