Carl Hermann Heinrich Benda

Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo F-Dur

hg. von Philipp Schmidt, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Ortus, Beeskow
erschienen in: das Orchester 02/2018 , Seite 63

Wie die Fam­i­lie Bach, so weist auch die aus dem Böh­mis­chen stam­mende Fam­i­lie Ben­da eine große Zahl von Musik­ern auf. Waren es im Falle der Bachs eher Tas­ten­vir­tu­osen, so war bei den Ben­das der Beruf des Geigers dominierend. Kom­poniert haben sie indes fast alle. Der musikalis­che „Ahn­herr“ Franz Ben­da dürfte den heuti­gen Musik­lieb­habern noch am ehesten ver­traut sein, während sein zweit­er Sohn, Carl Her­mann Hein­rich Ben­da, nicht ein­mal mehr Spezial­is­ten geläu­fig ist. Der wesentliche Grund dafür liegt ganz bes­timmt in der äußerst gerin­gen Zahl von Werken, die von Carl Her­mann Hein­rich Ben­da über­liefert sind. So fällt es denn auch entsprechend schw­er, das vor­liegende Vio­lakonz­ert ein­deutig diesem Carl Ben­da zuzuord­nen.
Der Her­aus­ge­ber Philipp Schmidt kon­nte sich, bei unsicher­er Quel­len­lage und fehlen­den Werkverze­ich­nis­sen der Ben­das, nur auf ein paar wenige Indizien stützen, um das B-Dur-Werk als eines von Carl Ben­da auszuweisen. Im Ver­gle­ich zu seinem älteren Brud­er Friedrich scheint der jün­gere Carl noch ein wenig mehr im Gen­er­al­basszeital­ter ver­haftet – oder, wie es eine zeit­genös­sis­che Quelle nahelegt, ein eher kon­se­quenter Schüler seines berühmten Lehrers Johann Philipp Kirn­berg­er gewe­sen zu sein.
Schmidts inter­es­sant zu lesendes Vor­wort zeigt die Verbindun­gen Carl Ben­das zu seinem musikalis­chen Umfeld auf und stellt ganz neben­bei am Beispiel der nicht ger­ade häu­fig anzutr­e­f­fend­en Werke für die solis­tis­che Bratsche im 18. Jahrhun­dert dar, warum sich eine solche Quel­len­forschung dur­chaus lohnen kann.
So sind die vor­liegen­den drei barock anmu­ten­den Sätze in der tra­di­tionellen Abfolge schnell – langsam – schnell eine willkommene Bere­icherung des Reper­toires für Vio­la und Stre­i­chorch­ester mit Gen­er­al­bass. Carl Ben­das Kom­po­si­tion ist von mäßigem Schwierigkeits­grad und bietet in den Eck­sätzen ein dur­chaus bewegtes Wech­sel­spiel zwis­chen Ritor­nellen und solis­tis­chen Pas­sagen, wobei die Aus­führung der etwas vir­tu­oseren Fig­u­ra­tio­nen durch den Klang der Bratsche einen ganz eige­nen Charak­ter erhal­ten wird. Dem noch kräftig durch­hör­baren Barock entsprechend bewegt sich die Solostimme dabei wed­er in extrem hohen Lagen, noch macht Carl Ben­da größeren Gebrauch vom Spiel auf der tief­sten Saite.
Am weitesten in Rich­tung musikalis­che Zukun­ft wagt sich das Ada­gio vor, das zudem in der für Stre­ich­er abso­lut ungewöhn­lichen Tonart b-Moll ste­ht. Hier klingt Carl Ben­da dann trotz Bas­so con­tin­uo und ohne die üblichen Bläser­paare doch deut­lich nach der zweit­en Hälfte des 18. Jahrhun­derts, und so manche Fig­ur erin­nert heutige Ohren vielle­icht ein wenig an den empfind­samen Stil oder gar die Klas­sik; eine „Berlin­er“ Klas­sik, die Kon­ven­tion und vor­sichti­gen Fortschritt gut zu vere­inen weiß.
Daniel Knödler