Werke von Hubert Parry, Edward Elgar und Gordon Jacob

British Music for Strings Vol. 1

Südwestdeutsches Kammerorchester, Ltg. Douglas Bostock

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 04/2021 , Seite 70

Der britis­che Diri­gent Dou­glas Bostock ist seit der Sai­son 2019/20 der neue Kün­st­lerische Leit­er und Chefdiri­gent des Süd­west­deutschen Kam­merorch­esters Pforzheim. Von Beginn an spielte er mit seinem neuen Klangkör­p­er sel­ten gehörte Werke für Stre­i­chorch­ester aus sein­er Heimat ein.
Diese erste CD enthält von Charles Hubert Par­ry (1848–1918) An Eng­lish Suite, von Edward Elgar (1857–1934) die Sonate für Orgel G‑Dur op. 28 in der Bear­beitung für Stre­i­chorch­ester von Hans Kun­stovny sowie von Gor­don Jacob (1895- 1984) A Sym­pho­ny for Strings.
Hubert Par­ry hat­te schon 1894 eine erste Stre­ich­er­suite kom­poniert, für das aus Ama­teur­musik­erin­nen beste­hende Stre­i­chorch­ester der Gemahlin des fün­ften Earl of Rad­nor, Helen Matil­da Pley­dell-Bou­ver­ie. Die Lady Radnor’s Suite kon­nte mit ihren kurzen, an barock­en Vor­bildern ori­en­tierten Sätzen einen bemerkenswerten Erfolg errin­gen.
Für eine geplante zweite Suite schrieb Par­ry zwis­chen 1914 und 1916 sechs weit­ere Sätze, die seine langjährige Stu­dentin und Assis­tentin Emi­ly Dia­mond (1866–1949) nach seinem Tod redigierte und ord­nete, schließlich unter dem Titel An Eng­lish Suite veröf­fentlichte. Die endgültige Fas­sung enthält an drit­ter Stelle noch einen weit­eren Satz, die 25 Jahre ältere „Sara­band“, die Par­ry vielle­icht ursprünglich für Lady Rad­nor vorge­se­hen hat­te. Gor­don Jacob bear­beit­ete Elgars Orgel­sonate 1946 für großes Orch­ester. Diese Fas­sung blieb damals unbeachtet und war infolgedessen lange vergessen. Der 1947 im steirischen Jau­r­ing geborene Kom­pon­ist und Arrangeur Hans Kun­stovny wusste nichts von Jacobs Orchestrierung, als er Elgars Werk 2006 für die Stre­ich­er des Süd­west­deutschen Kam­merorch­esters ein­richtete, in dem er lange als Solokon­tra­bassist gewirkt und für das er zahlre­iche Bear­beitun­gen geschaf­fen hat.
Sein Elgar-Arrange­ment wurde im Okto­ber 2006 in Pforzheim unter der Leitung von Sebas­t­ian Tewinkel uraufge­führt, im Jan­u­ar 2020 set­zte es dann Dou­glas Bostock auf das Pro­gramm. Gor­don Jacob schrieb seine dritte Sin­fonie 1943 für Stre­ich­er. Der erste der drei Sätze reflek­tiert die Härten des Zweit­en Weltkriegs, danach geht es durch Nacht zum Licht.
Das Süd­west­deutsche Kam­merorch­ester set­zt die klare Wärme und unauf­dringliche Roman­tik dieser Musik klan­glich kon­ge­nial um. Schade nur, dass Bostocks Inter­pre­ta­tio­nen diese Musik etwas zu dis­tanziert behan­deln und somit das dur­chaus reizvolle Reper­toire ein wenig unter Wert verkaufen. Das wird beson­ders deut­lich bei der Elgar-Sonate, der hier fast ganz ihr edwar­dian­is­ch­er, leicht exzen­trisch­er Über­schwang fehlt, zumal Kun­stovnys Bear­beitung mit ihren nicht immer logis­chen Oktavierun­gen die Werk­struk­tur stel­len­weise ver­schwim­men lässt.
Ingo Hod­dick