Werke von Gilles Silvestrini, Johann Christoph Pez, Robert Schumann und anderen

Bridges

Juri Vallentin (Oboe)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin
erschienen in: das Orchester 03/2019 , Seite 73

Nach­dem Juri Val­lentin beim Deutschen Musik­wet­tbe­werb 2017 den begehrten Haupt- und Pub­likum­spreis gewon­nen hat­te, fol­gte im Jahr darauf eine CD-Veröf­fentlichung des Siegers. So erhält Val­lentin die beste Möglichkeit, sich ein­er bre­it­eren Hör­erschaft bekan­nt zu machen. Die CD wurde im April 2018 in der Berlin­er Jesus-Chris­tus-Kirche aufgenom­men.
Mit der vorgestell­ten Musik möchte der Oboist „einen Bogen zur Geschichte, zur Gegen­wart und zur Zukun­ft span­nen“, so Juri Val­lentin im Book­let, und wählte aus diesem Grund für diese CD mit dem vielver­spechen­den Titel Bridges Werke von ins­ge­samt sieben Kom­pon­is­ten des Barock, der Roman­tik und des 20. und 21. Jahrhun­derts aus.
Zu Beginn, in der Mitte und am Ende find­en sich drei Pfeil­er der Mod­erne – jew­eils Erstein­spielun­gen und alle­samt für Oboe solo: Allii mun­di von Gilles Sil­vestri­ni, sodann der 2015 kom­ponierte Spell Song von Toshio Hosokawa und Duduk I-b des 1969 gebore­nen Gabriel Erko­re­ka. Mod­erne Stücke, welche die klan­glichen Möglichkeit­en der Oboe bis hin zur vagen Zweis­tim­migkeit und Blas­geräuschen auss­chöpfen. Manch­es erin­nert an Ben­jamin Brit­tens Meta­mor­pho­sen für Oboe solo, anderes geht in sein­er Moder­nität aber weit darüber hin­aus.
Im Gegen­satz zu den barock­en Stück­en sind die mod­er­nen aber im Nachteil, weil ihre Auf­führung meist auch etwas für die Augen ist. Auf­grund ihrer Kürze sind sie als Zugaben­stücke beliebt, soll­ten aber auch wirk­lich nur kurz sein, da die Geräuschkulisse und die Töne sich oft rasch abnutzen.
Ger­ade Duduk I-b kann trotz vol­len­de­ter Klage-Inter­pre­ta­tion in antik­er griechi­scher Tra­di­tion mit seinen über zehn Minuten Länge als schwierig emp­fun­den wer­den. Es ist, so das Book­let, der armenis­chen Kur­zoboe Duduk nachemp­fun­den und will „die emo­tionale Zer­ris­senheit zwis­chen Genozid und Über­lebenswillen des armenis­chen Volkes zum Aus­druck“ brin­gen. Ergänzend ste­ht der mehrdeutige Ter­mi­nus „Dūdük“ oder „Dūdū­ki“ aber auch für eine türkische Schn­abelflöte ohne Rohrblatt sowie für ein slaw­is­ches Blasin­stru­ment im all­ge­meinen.
Um den Zugang zu diesen mod­er­nen Stück­en auf der CD zu erle­ichtern, hat Val­lentin in einem Blog seine Ausle­gung der Werke „bis hin zur Zusam­me­nar­beit mit drei Kom­pon­is­ten der Gegen­wart“ beschrieben. Zudem bietet der Blog auch einen „Ein­blick in den Proben­raum“ sein­er kün­st­lerischen Arbeit, so Val­lentin weit­er.
Zwis­chen­durch erklin­gen auf der CD die Drei Romanzen op. 94 von Robert Schu­mann, die wirk­lich gefüh­lvoll mit schönem Ton inter­pretiert wer­den, die dreisätzige Sui­ta op. 17 von Pavel Haas sowie zwei Werke aus dem Barock. Eben­so als Erstein­spielung erklingt die Sÿm­pho­nia für Oboe und Bas­so con­tin­uo von Johann Christoph Pez und das Sep­tième Con­cert roy­al aus der Fed­er von François Couperin.
Philipp Heiß (Klavier), Eli­na Albach (Cem­ba­lo), Theo Plath (Fagott) und Patrick Sepec (Gambe) unter­stützen den Preisträger.
Wern­er Boden­dorff