Beatrix Borchard/Kerstin Schüssler-Bach (Hg.)

Brahms-Studien

Bd. 18, Veröffentlichungen der Johannes-Brahms-Gesellschaft

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Georg Olms
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 60

Vielfältige Aspek­te zum Werk und Umfeld von Johannes Brahms enthält der neueste Band der Brahms-Stu­di­en, der in vierzehn umfan­gre­ichen Essays auch Unbekan­ntes zu Tage fördert.
Der ein­lei­t­ende Beitrag „Brahms dirigieren“ von Michael Mus­grave und Roger Nor­ring­ton ist die über­ar­beit­ete Fas­sung eines 1999 erschiene­nen Textes, der jet­zt die Erfahrun­gen, die Nor­ring­ton mit der his­torisch informierten Auf­führung­sprax­is gewon­nen hat, reflek­tiert. Ein ander­er Diri­gent, Uroš Lajovic, beschäftigt sich mit den Tem­po-Rela­tio­nen in den Haydn-Vari­a­tio­nen. An ein­er detail­ge­nauen und tief­gründi­gen Analyse des Liedes Unbe­wegte laue Nacht op. 57 Nr. 8 zeigt der Kom­pon­ist Johannes Borows­ki die Dop­peldeutigkeit als kom­pos­i­torisches Prinzip auf. Die Werkgeschichte von Nänie op. 82 wird umfassend von Gudrun Jalass dargestellt. Michael Schwalb weist das Melodiez­i­tat „Nimm sie hin denn, diese Lieder“ aus Beethovens An die ferne Geliebte im Klavier­trio op. 8 und bei anderen roman­tis­chen Kom­pon­is­ten nach und entschlüs­selt die dahin­ter­ste­hende geheime Botschaft. Den ver­schollen geglaubten Hand­schriften von Orch­ester­fas­sun­gen zweier Schu­bert-Lieder hat Renate Moer­ing nachge­spürt. Die Bear­beitung der Ungarischen Tänze Nr. 5 und 6 für 2 Singstim­men und Klavier durch die berühmte Sän­gerin Pauline Viar­dot erläutert Mar­vin J. Rehr und ver­gle­icht dabei Orig­i­nal und Bear­beitung. Die Rezep­tion des ersten Klavierkonz­erts im Umfeld der Urauf­führung und den Umgang mit der Kri­tik führt die Her­aus­ge­berin Beat­rix Bor­chard aus.
Auch wenn Brahms kein Mann der vie­len Worte war, so erweit­ern Briefwech­sel oder andere schriftliche Noti­zen die Ken­nt­nisse über die Per­sön­lichkeit des Kom­pon­is­ten. Der Musikschrift­steller Louis Ehlert war Brahms durch die gemein­same Liebe zu Schu­mann und auch durch die Ablehnung der „Neudeutschen“ sehr ver­bun­den. Der Briefwech­sel mit ihm wird von Lea Simon und Mari­ka Hen­schel kom­plett doku­men­tiert, während Michael Struck diverse unbekan­nte Briefe bekan­nt macht. Die in Det­mold begrün­dete Fre­und­schaft mit dem Hofkapellmeis­ter und Geiger Carl Louis Bar­gheer recht­fer­tigt eine Darstel­lung der Vita und des unbekan­nten kom­positorischen Schaf­fens des Brahms-Fre­un­des, dessen Lied­schaf­fen Kostadin Delinikolov ins Zen­trum sein­er Abhand­lung stellt. Ein unbekan­nter Gön­ner, Adolph Behrens, der Brahms in seinem Tes­ta­ment mit ein­er großen Summe bedachte, erfährt von Enzo Maaß seine ver­di­ente Würdi­gung und Tobias Nieder­schlag stellt die Anfänge der Brahms-Pflege in Dres­den vor. Wie das „Musizieren mit dem Kör­p­er“ gelin­gen kann, wird von Anne do Paço am Beispiel von zwei Chore­ografien zur Musik von Brahms erk­lärt.
Berichte aus der Arbeit der Brahms-Insti­tute, die große Fortschritte bei der Dig­i­tal­isierung verze­ich­nen, und Rezen­sio­nen zu wichti­gen Buch- und CD-Neuer­schei­n­un­gen ergänzen den mit Noten­beispie­len und Fotos gut aus­ges­tat­teten und sorgfältig edierten neuen Band der Brahms-Stu­di­en. <
Herib­ert Haase