Maurice Ravel

Bolero

pour orchestre symphonique. Éditions révisées sous la direction de François Dru/Quentin Hindley (Version de 1928, Ballet en I Acte), Quentin Hindley (version de 1929, Concert) und Louis Langrée/Alain Pâris/Pascal Rophé (Comité de lecture), Ravel Edition vol. 1, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: XXI Music Publishing
erschienen in: das Orchester 03/2019 , Seite 62

Hil­fe, ein Ver­rück­ter“, soll bekan­ntlich eine Dame gerufen haben, nach­dem am 22. Novem­ber 1928 die Urauf­führung des als skan­dalös emp­fun­de­nen Bal­letts mit dem Titel Bolero mit der Tänz­erin, Bestel­lerin und Wid­mungsträgerin Ida Rubin­stein been­det war. Seit der Auf­führung der Orch­ester­ver­sion ein Jahr später ist der Bolero, der sich nach dem Willen Rav­els spanisch ohne Akzent schreibt, zum wohl berühmtesten Werk des 20. Jahrhun­derts avanciert, gar zu ein­er „Mar­seil­laise der mod­er­nen Konz­erte“ gewor­den, so Manuel Corne­jo im sehr aus­führlichen, über 30-seit­i­gen franzö­sisch-englis­chen Vor­wort.
Nach 80 Jahren ist als Großpro­jekt nun der Band 1 der neuen, in Bel­gien her­aus­gegebe­nen Edi­tion Mau­rice Rav­el erschienen. Die Her­aus­ge­ber haben sich viel Mühe gegeben und warten mit ein­er Fülle von Infor­ma­tio­nen auf. Im span­nen­den Vor­wort wird anhand von teils unveröf­fentlicht­en Briefen, Aus­sagen und Anmerkun­gen minu­tiös und mit viel Liebe die Entste­hungs­geschichte geschildert – von der anfänglichen Idee, lediglich sechs Stücke von Isaac Alb­eniz zu orchestri­eren, über den Werk­ti­tel (vom Fan­dan­go zum Bolero), die zahlre­ichen Auf­führun­gen unter Leitung des Kom­pon­is­ten in Paris und Wien bis hin zur ersten Auf­führung der Konz­ertver­sion in Ameri­ka. Die ersten Schallplat­tenein­spielun­gen aus den 1930er Jahren wer­den aufge­lis­tet, und auch die berühmte Toscani­ni-Affäre bleibt nicht uner­wäh­nt. Den Tex­ten sind zahlre­iche, teils bis­lang unveröf­fentlichte Abbil­dun­gen beigegeben, zum Beispiel von der „Ida Rubin­stein Bal­let Com­pa­ny“ und dem Urauf­führung­sor­ch­ester, sowie Fak­sim­i­les von Briefen von Rav­el an Rubin­stein, von der Urauf­führungsankündi­gung, der ersten gedruck­ten Par­ti­tur­seite und der Cel­lostimme und von auto­grafen Par­ti­tur­seit­en.
Im Kri­tis­chen Bericht find­en sich Angaben zum Stan­dort der Par­ti­tur – seit 1932 die Mor­gan Library in New York –, der in Pri­vatbe­sitz befind­lichen Bear­beitung für vier Hände und weit­er­er Doku­mente mit genauen Beschrei­bun­gen, angere­ichert mit Abbil­dun­gen einzel­ner ver­größert­er Details des Manuskripts von 1928, sowie eine Liste der Bal­let­tauf­führun­gen mit Ida Rubin­stein. Die Unter­schiede der bei­den Ver­sio­nen wer­den beschrieben und Fra­gen zu den Instru­menten­grup­pen bis hin zu den einzel­nen Instru­menten erörtert. Fehlen dür­fen keineswegs die zahlre­ichen Kor­rek­tu­rangaben auf mehr als zehn Seit­en. Es scheinen nun­mehr kaum noch Fra­gen offen zu bleiben.
Als Herzstück der Aus­gabe sind bei­de Ver­sio­nen des Bolero abge­druckt: die Par­ti­tur des bis­lang unveröf­fentlicht gebliebe­nen Bal­letts von 1928 und nach­fol­gend die Orch­ester­ver­sion von 1929, ersteres als Rein­schrift, so wie Rav­el sie niedergeschrieben hat­te, let­ztere als vorzüglich zu lesender Druck nach der Erstaus­gabe, selb­stver­ständlich verbessert laut den Kor­rek­turen aus Rav­els Hand.
Wern­er Boden­dorf