Werke von Dvořák, Janáček und Suk

Bohemian Tales

Augustin Hadelich (Violine), Charles Owen (Klavier), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Ltg. Jakub Hrůša

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Warner Classics
erschienen in: das Orchester 01/2021 , Seite 71

Hier ist es wieder ein­mal, das uralte Klis­chee vom „Böh­mis­chen Musikan­ten­tum“, das offen­bar immer noch als wer­be­wirk­sam ange­se­hen wird. Unter dieser ein­schlägi­gen Über­schrift hat der junge Geiger Augustin Hadelich ein Pro­gramm- Pot­pour­ri tschechis­ch­er Kom­pon­is­ten zusam­mengestellt, das dur­chaus unter­schiedlichen Reper­toirew­ert aufweist. Zugle­ich ergibt sich auf diese Weise eine han­dliche musikalis­che Vis­itenkarte Hadelichs, der mit 36 Jahren dem Nach­wuch­salter bere­its entwach­sen und, mit deutsch-ital­ienis­ch­er Abstam­mung, inzwis­chen als viel­ge­fragter Solist inter­na­tion­al unter­wegs ist.
Lei­der fehlen im Beglei­theft der CD nähere Infor­ma­tio­nen über ihn und auch die anderen Kün­stler, sodass auf diesem Weg auch nicht zu erfahren ist, auf welch­er Geige Hadelich hier gespielt hat. Es han­delt sich jeden­falls gut hör­bar um ein Instru­ment mit sehr großem Ton und pro­fun­der Tiefe, auf dem sich Hadelich mit stu­pen­der Vir­tu­osität pro­fil­iert, wobei sein dom­i­nantes Dauervri­bra­to ein wenig undif­feren­ziert und kon­ven­tionell anmutet und sein Spiel bisweilen klan­glich etwas eindi­men­sion­al wirkt. Ins­ge­samt ste­ht in allen Werken dieser Auf­nahme die Vio­line sehr aus­geprägt im Vorder­grund, auch im Ver­hält­nis zum Klavier.
Paradestück der CD ist natür­lich Dvořáks beliebtes Vio­linkonz­ert op. 53, das Hadelich mit spür­bar­er Lust an geigerisch­er Akro­batik ange­ht und in dem ihm der Chefdiri­gent der Bam­berg­er Sym­phoniker, Jakub Hrůša, als Leit­er des per­fekt mitat­menden Sym­phonieorch­esters des Bay­erischen Rund­funks ein kon­ge­nialer Part­ner ist. Die musikalis­che Fein­ab­stim­mung zwis­chen bei­den Kün­stlern ist in dieser Auf­nahme vom ersten bis zum let­zten Takt nachvol­lziehbar und per­fekt.
Mag dieses Konz­ert der notwendi­ge Trib­ut an die erfol­gre­iche Ver­mark­tung der CD sein, so bilden die bei­den Zyklen von Leoš Janáček und Josef Suk den eigentlichen Schw­er­punkt und beson­deren Gewinn dieser Zusam­men­stel­lung. Vor allem Janáčeks unge­mein anspruchsvolle vier­sätzige Sonate stellt eine echte Bere­icherung des Reper­toires dar. Sie wird meis­ter­haft darge­boten. Hadelich hat hier in dem Pianis­ten Charles Owen einen eben­bür­ti­gen Part­ner an der Seite, der allen tech­nis­chen und klan­glichen Her­aus­forderun­gen dieser bisweilen die Gren­zen zum Bizarren streifend­en Kom­po­si­tion gewach­sen ist. Und auch die so ander­sar­ti­gen indi­vidu­ellen Züge der Musik von Josef Suk in seinen Vier Stück­en op. 17 find­et in der Inter­pre­ta­tion der bei­den Kün­stler ihre überzeu­gende Ver­wirk­lichung.
Eher Trib­ut an das böh­mis­chtschechis­che Klis­chee sind schließlich die ergänzen­den Zugaben auf dieser CD: das aus­druck­stiefe, fast monothe­ma­tis­che Larghet­to aus den vier „Roman­tis­chen Stück­en“ op. 75 für Vio­line und Klavier von Dvořák und auch die bei­den Bear­beitun­gen eines Liedes und ein­er Humoreske des gle­ichen Kom­pon­is­ten, jew­eils mit Charles Owen am Flügel.
Arnold Wern­er-Jensen