Bach, Händel und Vivaldi

Beyond Words

Felix Klieser (Horn), Chaarts Chamber Artists

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics 0301460BC
erschienen in: das Orchester 09/2021 , Seite 80

Der Hor­nist Felix Klieser hat eine CD mit Barock­w­erken bei Berlin Clas­sics aufgenom­men. Hier hört man Hän­dels „Hal­lelu­jah“ und „Ombra mai fu“, Bachs „Bere­ite dich, Zion“ und „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ ein­mal ganz anders.
Zusam­men mit den Chaarts Cham­ber Artists aus Zürich find­et der Hor­nist Felix Klieser zu einem wun­der­bar leicht­en und zuweilen sog­ar sphären­haften Ton. In der Auswahl der barock­en Arien und Choräle von Johann Sebas­t­ian Bach, Anto­nio Vival­di und Georg Friedrich Hän­del nimmt das Horn die Rolle der men­schlichen Stimme ein, zeich­net die melodis­chen Bögen nach und imi­tiert in verblüf­fend­er Weise den Klang der Stimme.
Der klan­gliche Aus­druck ist dabei für Felix Klieser entschei­dend. Die Gesan­glichkeit und Aus­drucksmöglichkeit des Klangs soll­ten jeden­falls im Zen­trum ste­hen, meint er. Dem Hör­er müsse eine inter­es­sante Geschichte erzählt wer­den, lautet der Ansatz. Die Men­schen soll­ten sich hier ganz von der Musik leit­en lassen. Wenn man Musik spiele, die sehr alt sei, kom­mu­niziere man mit ver­schiedenar­ti­gen Aus­druck­swel­ten, so Felix Klieser weit­er. Die Sprache des Klangs mit ihren Gefühlen und Geschicht­en ste­ht hier jeden­falls im Mit­telpunkt. Die Melodie behauptet sich bei Beyond Words im Zen­trum des Geschehens – und zwar auf eine ganz beson­dere Weise. Man brauche keine jahre­lange Aus­bil­dung, um mit Musik etwas anfan­gen zu kön­nen, so Klieser. Nicht das, was man als Inter­pret ver­mit­teln wolle, sei wichtig, son­dern, dass etwas ankomme.
Und ankom­men tut auf dieser CD eine ganze Menge. Da ist vor allem die sub­tile Al-fres­co-Tech­nik, die bei Anto­nio Vivald­is Chor aus dem Glo­ria in D‑Dur RV 589 besticht. Aber auch dem „Nisi Domi­nus“ aus Vivald­is Cum deder­it sowie Auss­chnit­ten aus weit­eren Vival­di-Werken wie „Sileant Zephyri“ und Nul­la in mun­do pax sin­cera gewin­nt Felix Klieser einen großen Klang­far­ben­re­ich­tum und aus­ge­sprochen feine dynamis­che Abstu­fun­gen ab. Fes­tliche Klang­pracht und for­male Aus­geglichen­heit hal­ten sich die Waage. „Je nach Tonart kann ich das, was ich mit der Arie empfinde, bess­er oder deut­lich­er aus­drück­en“, betont Klieser. D‑Dur sei immer run­der und wärmer als das hell-sil­brige C‑Dur.
Georg Friedrich Hän­dels berühmte Arie „Las­cia ch’io pianga“ aus der ful­mi­nan­ten Oper Rinal­do transponierte Felix Klieser übri­gens von F‑Dur nach H‑Dur. Besinnlich­es ste­ht hier neben charak­ter­lich­er Größe und feier­lich­er Eige­nart. Das macht auch den beson­deren Reiz dieser ungewöhn­lichen CD aus. Die runde Klang­farbe des Horns dominiert bei der Chor-Pas­sage aus Hän­dels Mes­sias, die jet­zt natür­lich ganz anders und viel feingliedriger klingt. Der Reich­tum an diversen Aus­drucksmöglichkeit­en über­rascht dabei immer wieder. Dass die gute Kom­bi­na­tion zwis­chen Solist und Ensem­ble hin­sichtlich der klang­far­blichen Bal­ance entschei­dend ist, beweist die her­vor­ra­gende Qual­ität dieser Aufnahme.
Alexan­der Walther