Ludwig van Beethoven / Alban Berg

Between Heaven and Earth. Violin Concertos

Yvonne Smeulers (Violine), Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Oder), Ltg. Peter Kuhn

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin
erschienen in: das Orchester 12/2020 , Seite 68

Die inter­na­tionalen Geigen­vir­tu­osen bedauern, dass Beethoven nur ein einziges Vio­linkonz­ert vol­len­det hat. Dies gilt umso mehr im Jahr des 250. Geburt­stags des Kom­pon­is­ten, in dem es – wenn auch reduziert durch die Coro­na-Krise – vielfältige Auf­führun­gen zu seinen Ehren gibt, in denen natür­lich die fünf Klavierkonz­erte eine promi­nente Rolle spie­len.
Das für den befre­un­de­ten Geigen­vir­tu­osen Franz Clement (1780–1842) kom­ponierte und von diesem am 23. Dezem­ber 1806 bei einem sein­er Konz­erte im The­ater an der Wien uraufge­führte Stück vere­int, wie es im Book­let dieser CD mit dem Bran­den­bur­gis­chen Staat­sor­ch­esters Frank­furt unter­strichen wird, „den ern­sthaften Ton von Beethovens großen ‚human­is­tis­chen‘ Werken mit ein­er großen Leichtigkeit“. Immer wieder scheine, über alle drei Sätze des Konz­erts hin­weg, der Him­mel aufzuge­hen.
Gewiss passt es dazu, dass sich in der Per­son der Nieder­län­derin Yvonne Smeulers eine noch rel­a­tiv junge Kün­st­lerin diesem Stück wid­met. Natür­lich ist sie, die schon als Schü­lerin im Con­cert­ge­bouw in Ams­ter­dam mit dem Vio­linkonz­ert von Tschaikowsky debütierte, was ihr die Beze­ich­nung „Wun­derkind“ ein­brachte, seit 2003 mit vie­len Preisen aus­ges­tat­tet und längst inter­na­tion­al gefragt. So tat­en der Diri­gent Peter Kuhn und das nominell von GMD Jörg-Peter Wei­gle geleit­ete BSOF mit Smeulers einen guten Griff für diese CD-Pro­duk­tion.
Nach der sehr kraftvollen, über drei Minuten dauern­den Orch­esterein­leitung des Kopf­satzes Alle­gro ma non trop­po feiert Smeulers den leuch­t­en­den Ton der ihr zur Ver­fü­gung gestell­ten Guadagni­ni-Geige von 1785 in wohlabge­wo­ge­nen dynamis­chen Pro­por­tio­nen. Die unbe­gleit­eten Kaden­z­pas­sagen gegen Ende des lan­gen Satzes geben ihr die Gele­gen­heit, ihre ganze Vir­tu­osität zu demon­stri­eren. Das fol­gende Larghet­to inter­pretiert sie mit großer Ruhe, doch trotz des vorherrschen­den Ern­stes hat ihr Ges­tus und ihr Aus­druck musikalis­chen Charme. Jugendlich­er Opti­mis­mus beflügelt das Spiel der Solistin im abschließen­den Ron­do.
Als zweites Werk bietet das BSOF mit Yvonne Smeulers das zwölftönig geschriebene Vio­linkonz­ert Dem Andenken eines Engels von Alban Berg, Anfang 1936 – erst wenige Monate nach dem Tod des Kom­pon­is­ten Ende 1935 – von Her­mann Scherchen uraufge­führt. Es war dies eine Art von Requiem für die an Kinder­läh­mung gestor­bene Manon Gropius, Tochter von Wal­ter Gropius und Alma Mahler, und gilt als eine der schwierig­sten und anspruchsvoll­sten Par­ti­turen der Mod­erne.
Tre­f­flich bewähren sich sowohl die Solistin als auch das seit langem mit einem vielfälti­gen Reper­toire – etwa auch Cross-over- und Film­musik bei Konz­erten an der Frank­furter Uni­ver­sität Viad­ri­na – ver­traut­en BSOF unter Peter Kuhn. Der erste Satz Andante – Alle­gret­to gilt als Porträt Manons,
in dem eine Volk­sweise aus Kärn­ten anklingt und auf den Ort ver­weist, an dem Berg Manon erst­mals traf. Der tiefern­ste Charak­ter des Werks wird im Alle­gro – Ada­gio greif­bar im Zitat aus der Bach-Kan­tate O Ewigkeit, du Don­ner­wort.
Gün­ter Buh­les