Ludwig van Beethoven

Beethoven recomposed

Cello Sonata No. 3 arr. cello and string ensemble/Violin Sonata No. 9 „Kreutzer“ arr. violin and string ensemble. Luka Coetzee (Violoncello), Miclen LaiPang (Violine), LGT Young Soloists, Ltg. Alexander Gilman

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos
erschienen in: das Orchester 06/2021 , Seite 68

Man musste im Beethoven-Jahr schon große Namen oder spek­takuläre Neuein­spielun­gen auf­bi­eten, um im klas­sis­chen Plat­ten­markt über­haupt wahrgenom­men zu wer­den. Ein junges Stre­icherensem­ble mit einem ambi­tion­ierten Leit­er und zwei eben­so junge Solis­ten sind da noch keine Garantie für einen Verkauf­ser­folg, ja über­haupt eine her­aus­ge­hobene Sicht­barkeit. Und ob der etwas knal­lige Titel Beethoven recom­posed dem typ­is­chen Klas­sikklien­tel den Weg zur Kaufentschei­dung ebnet?
Beim Anhören der CD des Vielveröf­fentlich­ers Nax­os ist nach ger­ade ein­mal zehn Sekun­den eigentlich alles klar: Das Ein­gangsmot­to des Cel­los in der von Paul Struck bear­beit­eten drit­ten Cel­losonate von Lud­wig van Beethoven kommt in der Gestal­tung von Luka Coet­zee so präsent, so knack­ig und explo­siv daher, dass man an den weit­eren Ver­lauf sofort aller­höch­ste Erwartun­gen hat. Die wer­den – das ist vor­ab das ein­deutige Urteil – in den fol­gen­den gut 60 Minuten Spiel­d­auer aufs Wun­der­barste erfüllt.
Der Ein­stieg des Stre­icherensem­bles ist exakt so präg­nant und auf den Punkt gelun­gen wie der der Solistin, und die LGT Young Soloists, die in Liecht­en­stein einen sol­ven­ten Gön­ner gefun­den haben, zeigen im Ver­lauf, wo ihr Anspruch liegt. Hier spielt ein Ensem­ble wie aus einem Guss, fein­nervig, zupack­end und bril­lant im Klang. Beethoven, dessen Klavier­stimme sich ja nie auf die „zweite Geige“ reduzieren lässt, hätte ganz bes­timmt seine helle Freude an solch ein­er mitreißend gelun­genen Adap­tion gehabt. Und als hät­ten Kopf­satz und Scher­zo nicht schon gezeigt, dass Gidon Kre­mer und seine Ensem­bles offen­bar nicht mehr allein im Olymp der orches­tral aufge­bohrten Kam­mer­musik sitzen, kurvt das finale Alle­gro vivace so ele­gant und rück­sicht­s­los per­fekt durch alle musikalis­chen Schika­nen, als sei das alles ein Kinderspiel.
Auch in der noch viel bekan­nteren Kreutzer­son­ate wird Kam­mer­musik auf respek­te­in­flößen­dem Niveau ein neues, maßgeschnei­dertes Gewand angelegt. Hier fügt sich der Vio­lin­solist Miclen LaiPang mit bril­lantem und doch äußerst dif­feren­zierungs­fähigem Ton in ein von Alexan­der Gilman geleit­etes Stre­icherensem­ble ein, das sein Klangspek­trum fast noch ein­mal erweit­ert zu haben scheint und dessen reak­tion­ss­chnelles Umschal­ten vom sub­til-lyrischen Kam­mer­ton zum biss­festen Tut­ti-Don­ner ein­fach nur umw­er­fend ist.
Diese Kam­mer­musik 2.0 prof­i­tiert dabei von ein­er bril­lanten Ton­tech­nik, die jedes noch so kleine Detail der Inter­pre­ta­tion der LGT Young Soloists und ihrer Pro­tag­o­nis­ten per­fekt abbildet. Beethoven recom­posed springt auf­grund sein­er auf­se­hen­erre­gen­den Team­leis­tung von Bear­beit­er, Solis­ten, Ensem­ble und Tech­nik direkt auf einen der ersten Plätze des Auf­nah­me­jahres 2020.
Daniel Knödler