Werke von Mozart, Hiller, Dancla und anderen

Bayreuth Carnaval four 4 Violin

Bayreuth-Festival-Violinquartett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Primton pT-1121
erschienen in: das Orchester 02/2016 , Seite 75

Den Dienst im Bayreuther Orch­ester­graben stellt man sich ja gemein­hin als nicht ganz ein­fach vor: som­mer­liche Hitze, instru­men­tal anspruchsvolle Wag­n­er-Opern und jede Menge Proben und Auf­führun­gen zu ein­er Zeit, in der der gewöhn­liche Orch­ester­musik­er seine Som­mer­fe­rien genießt. Von der Bezahlung sei an dieser Stelle erst gar keine Rede. Und doch scheint der ein oder andere Musik­er des Bayreuther Fest­spielorch­esters in der gewiss knapp bemesse­nen Freizeit noch Lust auf „mehr“ zu haben. Nicht mehr Wag­n­er oder mehr Orch­ester, son­dern – wie auf dieser CD zu hören – Kam­mer­musik, und diese in ein­er etwas anderen Beset­zung als sonst.
Die vier Geiger des Bayreuth-Fes­ti­val-Vio­lin­quar­tetts liefern dabei keineswegs musikalis­che Kabi­nettstückchen oder seichte Unter­hal­tung ab. Die einge­spiel­ten Werke haben alle den Anspruch, ern­sthafte Kam­mer­musik zu sein. Entsprechend hoch ist der Anteil an Orig­i­nal­w­erken – was in Anbe­tra­cht der Tat­sache, dass bere­its Georg Philipp Tele­mann Stücke für vier Vio­li­nen ohne Bass kom­ponierte, vielle­icht gar nicht so über­raschend ist. So sind also die drei am Beginn des CD-Pro­gramms ste­hen­den Arien aus Mozarts Zauber­flöte bis auf ein weit­eres Stück, von dem noch die Rede sein wird, die einzi­gen Bear­beitun­gen. Die klin­gen allerd­ings ganz blitzsauber und überzeu­gend und wie für ein Geigen­quar­tett gemacht. Hier hört man eben kein kleines Orch­ester, dem der Bass abhan­den gekom­men ist, son­dern vier emanzip­ierte Stim­men, die jede für sich und als Ensem­ble präzise durchgestal­tet sind.
Vier Vio­li­nen, gespielt von ehe­ma­li­gen Mit­gliedern der renom­miertesten deutschen Orch­ester, bedeutet natür­lich auch Vir­tu­osität. Die Vor­la­gen dazu liefern hier Fer­di­nand Hiller mit einem kom­pakt-konz­er­tan­ten Capric­cio, Richard Hof­manns vier­sätziges Quar­tett, das auf etwas größerem Raum ein wenig wie Neo-Mendelssohn wirkt, und Charles Dan­clas beina­he unver­mei­dlich­er und titel­geben­der Car­naval de Venise, bei dem die Her­ren des Bayreuth-Fes­ti­val-Vio­lin­quar­tetts dann wirk­lich zeigen dür­fen, was auf 16 Sait­en an Klang­far­ben, Präzi­sion und Spiel­freude möglich ist.
Ulf Klausen­itzer, Michael Fren­zel, Bern­hard Har­tog und Kiichi­ro Mamine kön­nen aber auch Zeit­genös­sis­ches. Und dafür begeben sie sich sog­ar nach Japan. Während Michio Miyagis Das Meer im Früh­ling in der Bear­beitung für vier Vio­li­nen sehr exakt den Klang der bei­den japanis­chen Instru­mente nachahmt, für die es ursprünglich kom­poniert wurde (Koto und Shakuhachi), ist Toshiyu­ki Bam­bas The sky in those days… eine art musikalis­ches See­lengemälde. Das im Auf­trag des Bayreuth-Fes­ti­val-Vio­lin­quar­tetts ent­standene Werk machen die vier Musik­er im Zen­trum ihres auch klangtech­nisch makel­losen CD-Auftritts zu einem beein­druck­enden Stück Überzeugungsmusik.
Daniel Knödler