Werke von Schoeck, Hindemith, Busch und anderen

Bass Clarinet Essentials

Matthias Höfer (Bassklarinette), Manami Sano (Klavier)

Rubrik:
Verlag/Label: Bremen Radiohall Records
erschienen in: das Orchester 04/2019 , Seite 75

Während sich die Bassklar­inette schon seit Meyer­beer, Wag­n­er und Ver­di im Oper­norch­ester hören ließ, kam sie kam­mer­musikalisch erst im 20. Jahrhun­dert zur Gel­tung – was vor allem den Solis­ten Josef Horák (Tsche­choslowakei) und Har­ry Spar­naay (Nieder­lande) zu danken ist. Ab 1955 bzw. 1970 regten sie etliche Kom­pon­is­ten an, Lit­er­atur für ihr Instru­ment zu schaf­fen. Erst kür­zlich inspiri­erte ein schot­tis­ch­er Klar­inet­tist den bul­gar­isch-britis­chen Kom­pon­is­ten Mar­tin Georgiev sog­ar zu einem Solokonz­ert für Kontrabass-Klarinette.
Doch auch schon vor 1955 ent­standen bemerkenswerte Stücke für Bassklar­inette. Matthias Höfer, Solist des Frank­furter Opern- und Muse­um­sor­ch­esters, hat sie für sich und seine ver­sierte pianis­tis­che „Begleit­er­schei­n­ung“ Man­a­mi Sano ent­deckt. Ihr berück­endes, im Sende­saal Bre­men aufgeze­ich­netes Duo-Recital begin­nt mit ein­er Sonate des Schweiz­ers Oth­mar Schoeck, zu der ihn Wern­er Rein­hart ani­mierte, ein klar­inet­ten­begeis­tert­er Musik­mäzen aus Win­terthur. Die ihm gewid­mete Sonate für Bassklar­inette und Klavier (1927/28) bezeugt die heute kaum mehr beachtete Meis­ter­schaft des Zürcher Kom­pon­is­ten, der vornehm­lich als Vokalkom­pon­ist in der Nach­folge Hugo Wolfs bekan­nt wurde.
Der Klar­inet­ten­part begin­nt mit dem Hornsignal aus Schön­bergs Kam­mersin­fonie op. 9: ein­er auf­steigen­den Quar­ten­treppe, die das Klavier fortschreibt. Im Laufe des Haupt­satzes in Sonaten­form wird das markante Motiv kun­stre­ich ver­ar­beit­et. Im fol­gen­den Scher­zo erweist sich Schoeck als gewitzter Kon­tra­punk­tik­er, der aus dem Kopfthe­ma eine Fuge entwick­elt, die sich im Klavier zur Dop­pelfuge verdichtet. Das lock­er gefügte Ron­do-Finale spielt mit Rag­time-Anklän­gen und tonalen Kontrastfeldern.
Paul Hin­demith, den es in den 1930er Jahren reizte, „das ganze Blaszeug“ mit Sonat­en zu verse­hen, bear­beit­ete seine Fagott-Sonate 1960 auf Anre­gung von Josef Horák für Bassklar­inette und Klavier (wie dieser 1994 in einem Radio-Inter­view berichtet). Höfers über­raschend­ster Fund ist allerd­ings eine Suite für Bassklar­inette solo des berühmten Geigers Adolf Busch aus dem Jahr 1927. Stilis­tisch ver­weist sie auf dessen Fre­und Max Reger, mithin auf bei­der Vor­bild: Johann Sebas­t­ian Bach. Alois Hába, der Schön­berg das Zwölfton-Pri­mat stre­it­ig machte, kom­ponierte gle­ich­falls eine Suite für Bassklar­inette, allerd­ings mit Klavier.
Höfers ent­deck­erisches, begeis­tert und begeis­ternd vor­ge­tra­genes Reper­toire enthält überdies eine 1939 in Paris ent­standene Bal­lade des Rompreisträgers Eugène Boz­za, eines ele­gan­ten Melodik­ers. Dazu zwei Stücke von Ernst Krenek: ein Pre­lude, Wern­er Rein­hart 1944 als Geburt­stags­gabe aus den USA zugedacht, und eine 1939 unter Pseu­do­nym erschienene Sonate für Unter­richt­szwecke. Den fes­chen Abschluss bildet die Bassklar­inet­ten-Ver­sion ein­er qua­si impro­visierten Sonati­na for Bas­soon & Piano (2004) des britis­chen Jazzmusik­ers Mike Mower.
Lutz Lesle