Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach, Silvius Leopold Weiss und Michel

Baroque

Nils Mönkemeyer (Viola), Andreas Arend (Theorbe/Laute), Dorothee Mields (Sopran), Sara Kim (Viola), Niklas Trüstedt (Violone)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 75

So ungewöhn­lich ist es nicht, dass Bratsch­er auf die Cel­losuit­en Bachs zurück­greifen. Aber wie Nils Mönke­mey­er dies auf sein­er CD Baroque tut, das ist dann doch etwas anderes. Schon zu Beginn der Plat­te, bei ein­er Suite von Robert de Visée, klingt sein Instru­ment zart wie eine Gambe, und die Bogen­hand ist sehr flex­i­bel für eine äußerst sprechende Artiku­la­tion. Dass da ein mod­ern aus­ge­bilde­ter Musik­er ordentlich Nach­hil­fe erhielt in his­torisch­er Auf­führung­sprax­is, ist unverkennbar. Sein Begleit­er auf der The­o­rbe und Laute, der in Ros­tock lehrende Andreas Arend, ein Schüler unter anderem von Nigel North, wird da möglicher­weise einiges dazu beige­tra­gen haben.
Es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau heute diese Auseinan­der­set­zung mit alten Musiziertech­niken bei „mod­er­nen“ Musik­ern stat­tfind­en kann.
In Bachs Suite Nr. 5 in c-Moll (die auch in ein­er Fas­sung für Laute erhal­ten ist) kommt Mönke­mey­ers höchst detail­re­iche Tonge­bung sowohl dem tänz­erischen Rhyth­mus als auch der geheimen Poly­fonie der Stücke zugute. Dabei wagt Mönke­mey­er mutig ein Exper­i­ment: Er spielt die Laut­en­fas­sung zusam­men mit dem The­o­r­bis­ten und die Cel­lo-Hand­schrift als Solo-Werk – und er ver­schränkt bei­de Suit­en miteinan­der. Soll heißen: Jedem Laut­en­satz-Duo fol­gt eine Solo-Vari­ante. Dabei ist die Solo-Fas­sung noch intimer und fein­füh­liger inter­pretiert als das kam­mer­musikalis­che Zusam­men­spiel, das eher auf klan­gliche Wirkung set­zt. Auch im Tem­po gibt es da Vari­anten. Die Suite dehnt sich so in ihrer Dop­pelung auf etwa 50 Minuten aus. Faszinierend ist diese Inter­pre­ta­tion dabei in jedem einzel­nen Detail. Mönke­mey­ers Kun­st vielfältiger Aus­druck­snu­an­cen zeigt sich wie im Bren­n­glas in der Sara­bande, die ger­adezu min­i­mal­is­tisch nur aus weni­gen Noten beste­ht, die aber um so mehr Inten­sität im Spiel des Inter­pre­ten ver­langt.
Neben de Visées erwäh­n­ter Suite in F aus der Samm­lung Pièces de théorbe et de luth, mis­es en par­ti­tion als Erstein­spielung find­en sich weit­ere Stücke von Sylvius Leopold Weiss und Bach für Vio­la und Laute auf der CD. Als beson­dere Bon­bons aber find­en sich hier zwei bewe­gende Herzgesänge von Michel Lam­bert (1610–1696), die die Sopranistin Dorothee Mields, begleit­et von zwei Bratschen, Vio­lone und Laute, mit großer San­ft­mut und einem leicht­en (bewussten) Beben in der Stimme vorträgt, das dem erregten Schlag des Herzens nahekommt. Bachs Nun komm, der Hei­den Hei­land in ein­er Fas­sung für Vio­la und Laute schließt dies wun­der­volle CD ab.
Matthias Roth