Werner Bodendorff

Badische Bilder für großes Orchester op. 3

Partitur, hg. von Johannes Bublitz, Leih-/Kaufmaterial

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: euthentic edition, Kiel
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 73

Werner Bodendorffs fünfsätzige Suite Badische Bilder für großes Orchester präsentiert sich als liebevolle Hommage an seine südwestdeutsche Heimat. Das von Johannes Bublitz herausgegebene Werk bewegt sich mit dreifachen Holzbläsern und einem Blechsatz von 3–2–3–1 neben Pauken und Streichern im handhabbaren Standardbereich. Die Komposition bleibt stilistisch weitgehend traditionell, ist aber mit rhythmisch verspielten Elementen gespickt. Kontrastierend dazu schafft Bodendorff Klangflächen, in denen das motorische Treiben zur Ruhe kommt.
Der erste Satz, „Ufwache am Bodesee“, beginnt mit disparaten Klangereignissen: Einzeltöne in Harfe und Tuba sowie eine sich unregelmäßig wiederholende Figur in der Klarinette bestimmen den Beginn, bevor Flöte, Klarinette und Harfe zu einer gemeinsamen Melodie ansetzen. Das Geschehen verdichtet sich in der Folge immer mehr, während die Notenwerte zunehmend kürzer werden.
Im zweiten Satz, „Mit dem Karre durchs Hegau“, entfalten sich im Andante tranquillo liedhafte achttaktige Phrasen. Der dritte Satz, „Sehnsucht nach’m Schwarzwald“, beginnt und schließt im Charakter eines Siciliano. Das zunächst vom Violoncello vorgestellte Thema verleiht ihm eine lyrische und sanft schwingende Grundstimmung.
Der vierte Satz, „Näbbl-Wanderung am Rhein“, etabliert eine schwebende Klangfläche aus Streicher-Flageoletts (con sordino), die sich allmählich zu einem sanften Puls verdichtet. Der fünfte Satz, „Weifeschtle im Dorf“, setzt unvermittelt mit einem Dialog zwischen Pauken und Blechbläsern ein, der auf einen Walzer hinführt. Später folgen ein Polka-Abschnitt sowie eine quasi Tarantella im 9/8-Takt. Die Impressionen des Festes verlieren sich jedoch augenzwinkernd in piano gespielten Noten der ersten Violinen, Flöten, Klarinetten und der Tuba.
Am Notensatz fällt auf, dass die Celli im ersten Satz trotz eher tiefer Lage durchgehend im Tenorschlüssel notiert sind, die oftmals parallel geführten Fagotte jedoch im Bassschlüssel. Die Verwendung von Vorzeichnungen in den Hornstimmen wirft angesichts der ansonsten traditionellen Stimmführung Fragen auf. Zudem sieht das Weinfest einen Einsatz der Triangel vor, die in der Orchesterbesetzung nicht aufgeführt ist und vom Pauker übernommen werden soll.
„Badische Bilder“ ist ein farbenfrohes, handwerklich solides Werk, das mühelos von Profiorchestern umgesetzt werden kann. Angesichts seines regionalen Bezugs dürfte es aber vor allem das Repertoire der südwestdeutschen Amateurorchester bereichern, die sich der dankbaren Aufnahme durch ihr Publikum gewiss sein können.
Christian Dammann

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