Tina Ternes/ Caroline Charrière/ Aude Clesse

Aufbruch… I. …mit Mut, II. …mit Zweifel, III. …mit Freude/ Awakening/ Bric à brac

jeweils für Blechbläserquintett, jeweils Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Furore, Kassel 2017
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 69

Das deutsche Frauenwahlrecht feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, die Emanzipation der Frau verbinden wir mit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und selbst die Genderdiskussion wabert nur noch als langweilige Randnotiz durch die Medien. Trotz­dem gibt es noch Kompositionswettbewerbe speziell für Frauen. Fast verwundert möchte man sich die Augen reiben. Ausgeschrieben war dieser internationale Wettbewerb vom Zent­rum Militärmusik der Bundeswehr und dem Furore-Verlag. Gesucht wurde ein zehnminütiges Werk für klassisches Blechbläserquintett (zwei Trompeten, Horn, Posaune, Tuba) von mittlerem Schwierigkeitsgrad.
Den ersten Preis vergab die Jury für das dreisätzige Stück Aufbruch… der in Kaiserslautern geborenen Mu­sikerin, Komponistin und Musikpädagogin Tina Ternes. Die tonalen und rhythmisch eingängigen Sätze ziehen die Hörer mit prägnanten Motiven, teils an Fernöstliches erinnernden Melodien und einer sich gut erschließenden Aussage in ihren Bann. Pausentakte verwendet die Komponistin sparsam, versteht es aber, durch einen klugen Satz trotzdem eine Durchsichtigkeit der Stimmen zu bewahren.
Die Schweizerin Caroline Charrière erhielt für Awakening den zweiten Preis. In ihrem ruhig aus der Tie­fe aufsteigenden Werk spickt sie die entstehenden Klänge mit sich wieder­holenden Dissonanzen und Motivköpfen. Stilistisch moderner gleitet der ruhige Beginn in eine beinahe an eine Toccata erinnernde Musik über. Mit Reminiszenzen an den Beginn unterbrochen entwickelt sich dieser Teil zu einem fröhlichen, an ein Kinderlied erinnernden Schluss.
Mit Bric à brac erfreut die aus Frankreich stammende Aude Clesse Musizierende und Hörer gleicherma­ßen, wenn sie mit ihrer „Gute-Laune-Rhapsodie“ ein erfrischend mitreißendes und temperamentvolles Blechbläserquintett präsentiert. An Jahrmarkts- oder Zirkusmusik erinnernd bleibt die Komposition harmonisch eingängig, aber nicht ohne augenzwinkernde Überraschungen. Insbesondere dieses Stück, für welches die Jury den dritten Preis vergab, dürfte für fortgeschrittene Schüler ein reizvoll zu musizierender Beitrag sein, der sich ideal für Konzerte oder Wettbewerbe eignet.
Die gut gesetzten Partituren (Furore-Edition) bestechen mit einem übersichtlichen Notenbild. Für die mit akkurater Dynamik, Phrasierung und Artikulation versehenen Stimmen wurden sinnvolle Stellen zum Umblättern gewählt. Kurzbiografien aller Preisträgerinnen sowie Ergänzendes zum prämierten Werk komplettieren diese erfreuliche Bereicherung des Repertoires für Blechbläserquintett.
So bleibt am Ende nur ein Kompliment für alle am Wettbewerb Beteiligten, verbunden mit dem Denkanstoß, warum Menschen durch Attribute wie Geschlecht oder Alter in Gruppen eingeteilt werden müssen, mit denen man letztlich für den Ausschluss Einzelner sorgt.
Kristin Thielemann