Werke von Roman Ryterband, Maurice Ravel, Thomas Rajna und anderen

Auf dem Weg

Eva-Christina Schönweiß (Violine), Kirsten Ecke (Harfe)

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Genuin
erschienen in: das Orchester 7-8/2022 , Seite 71

Inspiri­ert „von den großen gesellschaftliche Bewe­gun­gen unser­er Zeit“ und dem Wun­sch verpflichtet, „interkul­turell Brück­en zu bauen“, vere­inige ihre CD „Musik von Men­schen, die auf dem Weg und auf der Suche nach Heimat sind“. So begrün­den Eva-Christi­na Schön­weiß, Vio­lin­istin beim Deutschen Sym­phonie-Orch­ester Berlin, und die Har­fenistin Kirsten Ecke die Werkauswahl ihrer Duo-Veröf­fentlichung Auf dem Weg und fügen ergänzend hinzu, in den ver­sam­melten Stück­en gehe es vor allem um „Ver­loren­heit, Lei­den­schaft, Hoff­nung und Sehnsucht“.
Auch wenn sich rasch der Ein­druck ein­stellt, dass sich nicht unbe­d­ingt alle Stücke diesen Vor­gaben fügen wollen, ist der Gesamtein­druck der Pro­duk­tion pos­i­tiv. Bei­de Inter­pretinnen musizieren nicht nur mit tech­nis­ch­er Meis­ter­schaft, son­dern auch mit viel Liebe zum Detail und mit Blick auf eine klan­glich möglichst vielfältige Wieder­gabe. Das zeigt sich beispiel­sweise in den Trois Bal­lades Hébraïques von Roman Ryter­band (1914–1979): Ihre Umset­zung steckt sowohl in melodis­ch­er Hin­sicht als auch im Umgang mit den har­monis­chen Fortschre­itun­gen voller sub­til­er Agogik und lässt das Miteinan­der von Schön­weiß und Ecke wie aus einem Guss erscheinen.
Die Qual­itäten der bei­den Musik­erin­nen treten noch stärk­er in der vier­sätzi­gen Suite von Thomas Raj­na (1928–2021) in den Vorder­grund, weil die bei­den Instru­mente hier wesentlich gle­ich­berechtigter behan­delt sind und die Werk­teile sich wie eine Abfolge ver­schieden­er Gewich­tun­gen im Ver­hält­nis zwis­chen Vio­line und Harfe aus­nehmen – von den rhap­sodis­chen Zügen des ein­lei­t­en­den „Dia­logue“ über die unter­schiedlich gewichteten lied­haften Momente in den Mit­tel­sätzen „Lul­la­by“ und „Air“ bis zu den rhyth­mis­chen Ver­track­theit­en des abschließen­den „Dance“.
Weniger überzeu­gend erscheint mir die Pro­duk­tion allerd­ings an anderen Stellen: So passt die Kom­po­si­tion Die wan­del­nden Feen von Neukölln (2003) von Hoosh­yar Khayam (*1978), für Schön­weiß und Ecke ent­standen, zwar wun­der­bar zur pro­gram­ma­tis­chen Aus­rich­tung der CD und verblüfft auch im Hin­blick auf die Fein­heit­en, die Schön­weiß der verzweigten, orna­men­tierten Melodik angedei­hen lässt; doch bleibt das Stück blass, weil sich das behäbige Kreisen um immer wieder gle­ichar­tige har­monis­che Aspek­te und melodis­che Ori­en­tal­is­men ziem­lich rasch verbraucht.
Auf andere Weise prob­lema­tisch ist Eck­es Bear­beitung von Mau­rice Rav­els Tzi­gane: Auch wenn der Beginn die Atmo­sphäre von Rav­els ursprünglich für das Luthéal geschriebene Ver­sion weitaus bess­er ein­fängt als eine Klavier­be­gleitung, erweist sich das Begleitin­stru­ment Harfe als Bremse für die Geigerin. Das weite dynamis­che Spek­trum des Vio­lin­parts, von dem die Kom­po­si­tion eigentlich lebt, muss oft zugun­sten der klan­glichen Bal­ance stark reduziert wer­den, weshalb Schön­weiß ihr Spiel nie richtig ausagiert und auf Dauer – trotz eines klang­far­blich überzeu­gen­den Zugangs – viel zu zurück­hal­tend wirkt.
Ste­fan Drees