Werke von Brahms, Schumann, Schuberg und anderen

Audi Jugendchorakademie, Munich Opera Horns

Audi Jugendchorakademie Antonia Schreiber (Harfe), Ltg. Kent Nagano

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Farao Classics B 108 084
erschienen in: das Orchester 09/2015 , Seite 82

Deutsche Romantik und nationales Empfinden kulminieren musikalisch in der Verbindung von Männerchorgesang und Hörnerklang. Idealerweise geht es dabei um den Wald und vor allem ein Stück: den Jägerchor aus Webers Oper Der Freischütz. Die vorliegende CD beschwört auf wunderbare Weise die deutsche Chor- und Hornromantik und kommt dabei sogar um den Jägerchor herum, denn das Repertoire hat noch mehr zu bieten.
Zu hören sind zum einen die „Munich Opera Horns“, also die exzellenten Hornistinnen und Hornisten der Bayerischen Staatsoper, die sich schon vor geraumer Zeit zu einem festen Ensemble auch außerhalb des Orchesterdienstes zusammengefunden haben. Zum anderen ist diese Aufnahme Beleg für das gelungene kulturelle Engagement eines potenten Wirtschaftskonzerns: Es singen hellwach und frisch die Damen und Herren der Audi Jugendchorakademie. Achtzig jungen Frauen und Männern im Alter zwischen 16 und 27 Jahren bietet der Autohersteller die Gelegenheit, sich unter professioneller Anleitung im Chorgesang zu üben. Die Leitung bei diesem Projekt hat niemand Geringeres als Kent Nagano, bis 2013 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper.
Es ist eine CD der Entdeckungen, oder doch zumindest der Raritäten. Das beginnt schon bei Schuberts Nachtgesang im Walde für vier Männerstimmen und vier Hörner, der von Männerchören immerhin noch gelegentlich zu hören ist und in dem verzückten Ruf „Die Nacht ist im Walde daheim!“ gipfelt. Das Stück ist für einen richtigen Chor konzipiert, also nicht für ein Soloquartett; so wird es manchmal nämlich eingespielt. Was hier zählt, ist das Kollektiv; die Männer der Audi Jugendchorakademie sind ein sehr schönes.
Noch spannender sind Schumanns Jagdlieder, deren viertes Frühe in seiner Intensität durchaus an den Choralsatz aus der „Rheinischen“ Sinfonie heranreicht. Bei der Flasche ist ein interessantes Zeitdokument, in dem der Textdichter Heinrich Laube mit den Jagdgewohnheiten anderer Länder ins Gericht geht: „In Engeland, da ist nichts mehr, als wie das Huhn zu Haus; Fabriken klappern und stampfen, Maschinen hämmern und dampfen, das hält kein Wildbret aus.“
Daneben kommen auch die Frauenstimmen voll zur Geltung in Johannes Brahms’ frühen 4 Gesängen für Frauenchor, Harfe und zwei Hörner. Naturgemäß überwiegen hier elegische, sanfte Klänge und nicht testosterongetränktes Schmettern. Im Gegensatz dazu paaren sich in Igor Strawinskys Bauernliedern obsessive Schlichtheit und kantige Frische.
Für mich die Entdeckung der ganzen CD.
Zum Schluss dürfen sich die „Opera Horns“ dann wirklich voll austoben in einem Arrangement des Karfreitagszauber aus Wagners Parsifal und einer Adaption der Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss – beide gesetzt für zehn Hörner. Diese Aufnahmen stammen zwar schon aus dem Jahr 2010, aber Spaß beim Zuhören machen sie trotzdem. Stellvertretend für die zehn Kollegen sei Johannes Dengler genannt, der seit seinem 20. Lebensjahr Solohornist des Bayerischen Staatsorchesters ist.
Johannes Killyen