Werke von Johann Wilhelm Hertel, Michael Haydn, Leopold Mozart und anderen

At the Peak

Immanuel Richter (Piccolotrompete), Hans Jürg Bättig (Orgel)

Rubrik: CD
Verlag/Label: Solo Musica
erschienen in: das Orchester 06/2019 , Seite 66

At the Peak, auf dem Gipfel, ist der Name des ersten Ton­trägers, welch­er von Immanuel Richter, Solotrompeter des Sin­fonieorch­esters Basel und Dozent für Trompete an der Hochschule für Musik Luzern, und Hans Jürg Bät­tig, Haup­tor­gan­ist der Stadtkirche Zofin­gen (Schweiz), vorgelegt wird.
Bere­its nach den ersten Tak­ten des Trompe­tenkonz­erts Nr. 1 in Es-Dur von Johann Wil­helm Her­tel (1727–1789) wird klar, dass man es hier mit einem Solis­ten zu tun hat, der es mit den ganz großen Vor­bildern aufnehmen kann: Immanuel Richter, Jahrgang 1974, verza­ubert sein Pub­likum mit einem war­men, zugle­ich strahlen­den, aber doch kam­mer­musikalis­chen Klang auf sein­er Pic­colotrompete und ist mit sein­er Ein­spielung uneingeschränkt auf Augen­höhe mit Größen wie Wyn­ton Marsalis oder Mau­rice André unter­wegs. In jed­er Phrase ist seine Musizier­freude zu spüren: Müh­e­los bewältigt er selb­st die anspruchsvoll­sten Pas­sagen, gut durch­dacht und ger­adezu liebevoll sind selb­st kle­in­ste Ein­würfe aus­gear­beit­et; Verzierun­gen, Triller und Kaden­zen ver­wen­det er äußerst gekon­nt. Dadurch erstrahlen auch so häu­fig einge­spielte Kom­po­si­tio­nen wie die Trompe­tenkonz­erte von Michael Haydn und Leopold Mozart in ein­er per­fek­ten Mis­chung aus Stil­sicher­heit und Vir­tu­osität.
Der Organ­ist Hans Jürg Bät­tig, langjähriger musikalis­ch­er Wegge­fährte Richters, begleit­et sehr präzise und geschmack­voll. Aus his­torisch fundierten Quellen (u.a. Aus­gabe Edward H. Tarr) hat er eine gut umset­zbare Orgelfas­sung geschaf­fen, welche bei www.resonatamusic.com erhältlich ist.
Neben den drei Trompe­tenkonz­erten von Johann Wil­helm Her­tel sowie den eben­falls zwis­chen 1760 und 1770 kom­ponierten Konz­erten von Michael Haydn und Leopold Mozart haben die bei­den Schweiz­er Musik­er die Kom­po­si­tion eines Sign. Otto für diesen Ton­träger aus­gewählt. Hier­bei han­delt es sich um eines der schwierig­sten Trompe­tenkonz­erte dieser Epoche. Lei­der kon­nten bis heute keine biografis­chen Dat­en zum Urhe­ber dieses Musik­stücks gefun­den wer­den, der auf dem Titel­blatt des orig­i­nal über­liefer­ten Noten­ma­te­ri­als in der Bib­lio­thek des Fürsten zu Ben­theim und Ste­in­furt lediglich als Otto beze­ich­net wird. Lud­wig Güt­tler tit­uliert ihn im Begleit­text zu sein­er Auf­nahme von 1986, erschienen bei Capric­cio, als Lui­gi Otto; es bleibt aber unklar, woher diese Erken­nt­nis stammt. Lediglich in der Her­zog-August-Bib­lio­thek in Wolfen­büt­tel sind zwei Sin­fonien eines gewis­sen Gio­van­ni Otto über­liefert, deren Entste­hungszeit zu dem hier einge­spiel­ten Werk passen würde.
Im Book­let (Deutsch und Englisch) zur CD At the Peak find­en sich Gedanken Immanuel Richters zu den Trompe­tenkonz­erten der Frühk­las­sik, Biografis­ches zu den bei­den Musik­ern sowie Infor­ma­tio­nen zur Met­zler-Orgel der Kirche Richen­thal (Schweiz).
At the Peak ist Hör­genuss vom ersten bis zum let­zten Ton und set­zt ganz neue Maßstäbe!
Kristin Thiele­mann