Klaus G. Werner/Wolfgang Mechsner

Andreas Romberg. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis (ARWV)

Ausgewählte Werke, Serie III, Band 2

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Florian Noetzel
erschienen in: das Orchester 02/2022 , Seite 63

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhun­derts hätte es im Deutschen Reich sich­er keinen Musik­lieb­haber gegeben, der den Namen Andreas Romberg (1767–1821) nicht gekan­nt hätte – so pop­ulär ist speziell seine Ver­to­nung von Friedrich Schillers Lied von der Glocke gewe­sen. Diese Kan­tate dürfte in der Monar­chie sog­ar das meist aufge­führte Werk gewe­sen sein. Inzwis­chen aber ist es, wie der Kom­pon­ist selb­st, beina­he vergessen.
Erst in den let­zten Jahren erin­nert man nicht nur an Rombergs musikalis­chen „Dauer­bren­ner“, son­dern auch an sein weit­eres Schaf­fen. Im Flo­ri­an Noet­zel Ver­lag erschien näm­lich zwis­chen 2001 und 2021 eine umfan­gre­iche Teilaus­gabe sein­er Werke, gegliedert in drei Serien: Orch­ester- und Chor­w­erke, Doku­mente ein­schließlich des hier besproch­enen Werkverze­ich­niss­es sowie 103 Beihefte.
Das Werkverze­ich­nis doku­men­tiert in etwas mehr als 270 Num­mern Rombergs Œuvre voll­ständig, und weil sich darunter auch Samm­lun­gen befind­en (etwa Lieder­hefte), ist die Zahl sein­er Kom­po­si­tio­nen noch größer. Diese schließen nahezu alle damals gängi­gen musikalis­chen Gat­tun­gen ein: Opern, weltliche und geistliche Chöre, Lieder sowie Sin­fonien, Ouvertüren und Kam­mer­musik. Nur Ora­to­rien und erstaunlicher­weise Werke für das damals pop­ulärste Instru­ment, das Klavier, fehlen.
Genau genom­men han­delt es sich bei der vor­liegen­den Pub­lika­tion um ein sys­tem­a­tisch-chro­nol­o­gis­ches Verze­ich­nis, das zunächst nach den Gat­tun­gen gegliedert ist – gegebe­nen­falls in der Rei­he der Opuszahlen, worauf sich in jed­er Abteilung und dann in zeitlich­er Folge die veröf­fentlicht­en und gedruck­ten Werke anschließen. In gle­ich­er Struk­tur sind die ver­schol­lenen Kom­po­si­tio­nen angehängt.
Alle Ein­träge enthal­ten die erforder­lichen Infor­ma­tio­nen: Beset­zung, Noten­in­cip­its (auch einzel­ner Sätze), die Übere­in­stim­mung mit Rombergs eige­nen, 1810 beziehungsweise 1821 ange­fer­tigten Verze­ich­nis­sen, den Fun­dort der Auto­grafen, Erst‑, Folge- und Neuaus­gaben sowie die oft­mals zahlre­ichen Bear­beitun­gen und noch mehr. Nur in der Vokalmusik fehlen fast immer die Vor­na­men der Dichter, was bei den dama­li­gen Mod­e­po­et­en ziem­lich unan­genehm ist.
Schein­bar voll­ständig schließen sich die üblichen Verze­ich­nisse an: eine Über­sicht nach Gat­tun­gen, die in diesem Fall wün­schenswerte Konko­r­danz mit ein­er umfassenden, früher erschiene­nen Bib­li­ografie (Kurt Stephen­son, Ham­burg 1938), eine Opuszahlen­liste, die alpha­betis­che Auf­stel­lung der Tex­tan­fänge und der Wid­mungsempfänger sowie nahe­liegen­der­weise eine Über­sicht des aktuellen Edi­tion­s­plans. Dass aber die für die Forschung unent­behrlichen Dichter- und Per­so­n­en­reg­is­ter fehlen, ist unentschuldbar!
Zweifel­sohne han­delt es sich beim vor­liegen­den Band um eine ver­di­en­stvolle Arbeit, welch­er aber jen­er unbe­grei­fliche Makel anhaftet – ein Makel, den man hätte ver­mei­den müssen.
Georg Günther