Roland H. Dippel

Altenburg Gera: Temperamentvoll und verspielt

Das 3. Philharmonische Konzert des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera mit seiner neuen Solocellistin Seo Young Lee

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 02/2022 , Seite 53

Ruben Gazar­i­an, der zwis­chen den bei­den Lock­downs nach Beru­fun­gen zum Chefdiri­gent des Geor­gis­chen Kam­merorch­esters (2015–2020) und zum Kün­st­lerischen Leit­er des Würt­tem­ber­gis­chen Kam­merorch­esters Heil­bronn (2002–2018) als GMD des Phil­har­monis­chen Orch­esters Altenburg Gera nach Ost­thürin­gen kam, ist in seinem neuen Wirkungskreis kein Unbekan­nter. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Erster Konz­ert­meis­ter des West­säch­sis­chen Sym­phonieorch­esters (1993–1998) – heute Leipziger Sym­phonieorch­ester – wurde der 1971 in Jere­wan geborene Arme­nier 1999 dessen Chefdirigent.
In den seit Jahren auf­grund ihrer span­nen­den Pro­gram­mgestal­tung über­re­gion­al beachteten Phil­har­monis­chen Konz­erten des Phil­har­monis­chen Orch­esters Altenburg Gera set­zt Gazar­i­an zwei Konzep­tan­liegen seines Amtsvorgängers Lau­rent Wag­n­er fort. Das eine ist die Ver­ankerung der Konz­ert­pro­gramme in spartenüber­greifende The­men­zyklen und die oft­mals ungewöhn­liche Zusam­men­stel­lung beson­der­er Werke. Zum anderen treten weit­er­hin Orch­ester­musik­er mit her­aus­fordern­den Soloparts auf das Podi­um des Konz­ert­saals im The­ater­haus Gera und, bis die umfan­gre­iche Sanierung des The­aters Altenburg abgeschlossen ist, im Theaterzelt.
Für dieses Konzept wurde das dritte Phil­har­monis­che Konz­ert im Novem­ber exem­plar­isch. Das auf­grund der Hygien­ekonzepte lock­er im Saal verteilte Pub­likum erlebte mit ins­ge­samt drei Werken von Mieczysław Wein­berg und Paul Hin­demith tem­pera­mentvoll bewegte, aber keineswegs ein­fache Kom­po­si­tio­nen des 20. Jahrhun­derts. Vor allem die kon­tinuier­liche Auseinan­der­set­zung mit Wein­berg ist bemerkenswert. Voraus­ge­gan­gen waren eine Auf­führung von dessen sech­ster Sin­fonie mit CD-Ein­spielung sowie eine Pro­duk­tion von Wein­bergs Oper Die Pas­sagierin, für deren konzen­tri­erte Ein­dringlichkeit man Gen­er­al­in­ten­dant und Regis­seur Kay Kuntze für den The­ater­preis Der Faust nominiert hat­te. Mit Wein­bergs Cel­lokonz­ert c‑Moll op. 43 stellte sich nun die gle­ichzeit­ig mit Gazar­i­an in das Orch­ester gekommene Solo­cel­listin Seo Young Lee vor, die zuvor von 2016 bis 2018 Solo­cel­listin beim Sin­fonieorch­ester Göt­tin­gen war.

 

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