Zulauf, Jochen

Aktivierendes Kulturmanagement

Handbuch Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement für Kulturbetriebe

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Transcript, Bielefeld 2012
erschienen in: das Orchester 05/2013 , Seite 66

Die klas­sis­chen Kul­turbe­triebe sehen sich in den ver­gan­genen Jahren immer größeren Her­aus­forderun­gen aus­ge­set­zt: stag­nierende oder sink­ende öffentliche Zuschüsse, ver­stärk­te Konkur­renz zu anderen Kul­tur- und Freizei­tan­bi­etern, verän­dertes Nutzungsver­hal­ten von Besuch­ern. Wie kön­nen, sollen und müssen Kul­turbe­triebe angemessen und strate­gisch auf diese und weit­ere Fra­gen und Prob­lem­stel­lun­gen reagieren?
In ersten Teil des Buchs analysiert Jochen Zulauf den aktuellen Hand­lungs­be­darf für die Kul­turbe­triebe und beschreibt die Neuaus­rich­tung der Kul­tur­poli­tik der jüng­sten Ver­gan­gen­heit. Die Hochkul­tur befinde sich inzwis­chen im „Warenko­rb der Erleb­nis­ge­sellschaft“ und müsse daher neue Antworten auf die Frage nach ihrer gesellschaftlichen Legit­i­ma­tion find­en. Schw­er­punk­te wer­den geset­zt bei der notwendi­gen Ori­en­tierung von Kul­tur­ange­boten an der Gen­er­a­tion der Baby­boomer, der Pub­likums­bindung von Anfang an (Kul­tur für das Pub­likum von mor­gen) und der Inte­gra­tion von Migranten durch und in die Hochkul­tur. Die Pro­gram­matik des Kul­turbe­triebs werde let­ztlich durch den „Dreik­lang von Kul­tur­auf­trag, Besucher­in­ter­esse und ästhetis­ch­er Mis­sion“ bes­timmt.
Um auf diese Verän­derun­gen bess­er und flex­i­bler reagieren zu kön­nen, stellt der Autor zu Beginn des zweit­en Teils die Frage, wie sich ein Kul­turbe­trieb neu organ­isieren müsse, um mor­gen noch existieren zu
kön­nen (Grund­la­gen, Strate­gien und Zielset­zun­gen). Erforder­lich sei vor allem ein tief greifend­er Organ­i­sa­tion­swan­del, der von allen Mitar­beit­ern mit­ge­tra­gen wer­den müsse. Dies funk­tion­iere aber nur durch eine entsprechende Organ­i­sa­tion­sen­twick­lung. Diese wiederum sei untrennbar mit dem Qual­itäts­man­age­ment ver­bun­den.
Im drit­ten und umfan­gre­ich­sten Teil des Buchs geht es anhand konkreter Beispiele ans Eingemachte: Wie kann ein Qual­itäts­man­age­ment für Kul­turbe­triebe (KQM) in der Prax­is ausse­hen? Am Beispiel des insoweit (mal wieder) führen­den Muse­ums­bere­ichs wird die Def­i­n­i­tion und Entwick­lung von Qual­itäts­maßstäben und ihre Über­trag­barkeit und Anwen­dung im Kul­turbere­ich erläutert. Wie sind einzelne „Befähigerkri­te­rien“, wie Führung, Mitar­beit­er, Strate­gie etc., aber auch „Ergeb­niskri­te­rien“, bezo­gen auf die Mitar­beit­er, die „Kun­den“, die Gesellschaft zu gewicht­en, in der Prax­is einzuset­zen und zu steuern? Oder anders gefragt: Wie lässt sich Qual­ität jen­seits der Zahlen und Ein­spiel­ergeb­nisse nicht nur doku­men­tieren, son­dern auch steuern und entwick­eln? Eine wichtige Rolle auf dem Weg zu Qual­itäts­man­age­ment kommt der Entwick­lung eines Leit­bildes zu: Wo kom­men wir her? Was wollen wir? Wo wollen wir hin? Wo arbeit­en wir? Wie arbeit­en wir? Was kön­nen wir?
Das Buch ist sehr angenehm und über­raschend leicht zu lesen. Es ist ein echt­es Hand­buch, das für jeden ver­ant­wortlichen Kul­turbe­trieb zahlre­iche wertvolle Anre­gun­gen zur Organ­i­sa­tion­sen­twick­lung durch Qual­itäts­man­age­ment enthält und daher uneingeschränkt zu empfehlen ist.
Ger­ald Mertens