Werke von Cesar Bresgen, Mauro Giuliani, Alfred Uhl und anderen

Accento Austria

Elisabeth Möst (Flöte), Maroje Brcic (Gitarre)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Gramola 99100
erschienen in: das Orchester 12/2016 , Seite 71

Sie ken­nen sich­er das Gefühl der tiefen Entspan­nung, des inneren Weitwer­dens („und meine Seele span­nte weit ihre Flügel aus“), das einen erfüllt, befind­et man sich beispiel­sweise in freier Natur? Solch ein Gefühl stellt sich mitunter auch beim Hören oder Musizieren bes­timmter Musik ein. Woran liegt das?
Bei der in diesem Fall ver­ant­wortlichen CD liegt es weniger an den über­wiegend schö­nen aus­gewählten Kom­po­si­tio­nen als an dem ganz selb­stver­ständlichen Fluss des Flö­ten­tons, den Elis­a­beth Möst im ure­igen­sten Sinne organ­isch fließen lässt und der niemals forciert oder manieriert wirkt, son­dern stets so, als gebe es nur genau diese und genau deswe­gen „richtige“ Möglichkeit der Inter­pre­ta­tion. Und es liegt auch an dem eben­so traumwan­d­lerisch „richtig“ wirk­enden Spiel ihres Gitar­ren­part­ners Maro­je Brcic, das mit der Flöte eine ger­adezu sym­bi­o­tis­che Beziehung einzuge­hen scheint. „So muss es sein“, fühlt man beim Hören, ohne dass hier belehrend Überzeu­gungsar­beit geleis­tet wird.
Diese find­et auf einem anderen Gebi­et statt; Möst und Brcic haben sich eher sel­ten zu hörende Kom­pon­is­ten für ihre neue CD aus­ge­sucht: Cesar Bres­gen, Mau­ro Giu­liani, Alfred Uhl, Jan Truh­lár und Leonar­do de Call. Ohne an dieser Stelle in die teil­weise sehr inter­es­san­ten Kon­texte und Rezep­tion­s­geschicht­en der Genan­nten einzu­tauchen (das kön­nen Sie wun­der­bar im sehr les­baren Book­let von Chris­t­ian Heindl tun), drängt sich beim Hören der Gedanke auf, dass ins­beson­dere Bres­gen, Uhl und Truh­lár wirk­lich öfter gespielt wer­den soll­ten. Allen dreien, so unter­schiedlich sie in ihrem Kom­po­si­tion­sstil doch sind, ist eine in dieser Instru­mentenkom­bi­na­tion authen­tis­che Organik eigen, die fernab eines sinnbe­fre­it­en Vir­tu­osen­tums Zeit behut­sam und fein faszinierend erleben lässt. Elis­a­beth Möst webt mit ihrem war­men, eher holzi­gen Ton einen wun­der­bar sym­bi­o­tis­chen Dia­log mit Maro­je Brci­cs sehr klar artikuliert­er Gitarre, wirkt facetten­re­ich und lebendig.
Etwas behäbiger wirken sowohl in kom­pos­i­torisch­er wie spiel­tech­nis­ch­er Hin­sicht das Grand Duo con­cer­tant von Giu­liani und de Calls Ser­e­nade; auch hier wird Zeit sehr eigen erleb­bar – allerd­ings vielle­icht eher in einem Sinne, der uns in unser­er schnel­llebi­gen realen Lebenswelt abhan­den gekom­men ist. Man muss sich schon bewusst auf Spielfig­uren und kom­po­si­tion­szeit­typ­is­che Floskeln und Wieder­hol­un­gen ein­lassen, um die spannungs­arme Schön­heit dieser Werke genießen zu kön­nen.
Diese Auf­nahme besticht nicht durch atem­ber­auben­des Vir­tu­osen­tum, son­dern durch feines, organ­is­ches Kam­mer­mu­sizieren, das anre­gend-beruhi­gend wie ein Spazier­gang durch den schön­sten aller Wälder wirkt. Eine sehr inter­es­sante kom­pos­i­torische Auswahl gepaart mit der Kun­st der atmo­sphärisch fein­nervi­gen Inter­pre­ta­tion überzeugt und prägt sich nach­haltig ein. Etwas irri­tierend ist bei der sorgfältig gefer­tigten CD nur die Track­liste auss­chließlich in japanis­chen Schriftze­ichen, abge­se­hen von den Zahlen – zumin­d­est auf meinem PC.
Christi­na Humen­berg­er