A Night of Encores

Summer Concert from the Berlin Waldbühne. Mit Werken von Moniuszko, Wieniawski, Tschaikowsky, Chapi, Kim, Lumbye, Sibelius u. a.

Rubrik: DVDs
Verlag/Label: TDK/Euro Arts 105193 9 DVD
erschienen in: das Orchester 10/2004 , Seite 88

Das Wet­ter war schön, die Atmo­sphäre und die Stim­mung auch. In der Mitt­som­mer­nacht, am 23. Juni 2002, beim alljährlichen Wald­büh­nen-Konz­ert der Berlin­er Phil­har­moniker unter der Leitung von Mariss Jan­sons, wurde den Zuhör­ern ein Abend ange­boten, der aus zahlre­ichen „Encores“ (Zugaben) bestand. Das zauber­hafte Ambi­ente, das zur Entspan­nung, Gelassen­heit, Freude und zum (Mit)Spielen ein­lud, inspiri­erte die Haup­tidee des Konz­erts: Die musikalis­chen Lecker­bis­sen wur­den sowohl von den Musik­ern als auch vom Audi­to­ri­um genossen. Der Auf­bau des Konz­erts war ein­fach und klar: Der welt­berühmte und bril­lant spie­lende Vir­tu­ose Vadim Repin, begleit­et von den Berlin­er Phil­har­monikern, wech­selte mit den Orch­ester­stück­en. Die „Regie“ dieses Diver­tisse­ments wirk­te ungezwun­gen und bleibt im Hin­ter­grund; unmerk­bar, jedoch kon­se­quent wur­den die Zuhör­er geführt, was die ständig wach­sende Begeis­terung des Audi­to­ri­ums bestätigte. Diese ver­steck­te „Führung“ beruhte nicht nur auf der Musikqual­ität des aus­gewählten Pro­gramms, auf Charme, Ele­ganz und Vir­tu­osität der Inter­pre­ta­tion, son­dern auch auf dem gewis­sen „Etwas“, das in der Luft dieser Wun­der­nacht lag.
Die deut­liche Gefahr, des Erfol­gs wegen in Triv­i­al­ität zu ver­fall­en, ver­mieden die Inter­pre­ten, indem sie auf aller­lei Klis­chees in berühmtesten „Zugaben“ verzichteten. Die Vir­tu­osität und Leichtigkeit, die Vadim Repin in Stück­en wie Polon­aise op. 4 von Hen­ri Wieni­aws­ki oder Tam­bourin chi­nois von Fritz Kreisler zeigte, erschien so organ­isch, dass man die tech­nis­che Seite des Spie­lens ver­gaß. Das Elegis­che und Lyrische ohne jeglichen Hauch von Banalem wurde in Tschaikowskys Mélodie betont; keineswegs sen­ti­men­tal, son­dern inten­siv, zart, sehn­süchtig und nobel erk­lang Sibelius’ Valse triste. Enthu­si­astisch wur­den solche klas­sis­chen „Encores“ gespielt wie „Pas de deux“ aus Tschaikowskys Nussknack­er, „Faradole“ aus Bizets L’Arlésienne oder das Vor­spiel zum drit­ten Akt des Lohen­grin, in dem beson­ders frisch und lebendig zahlre­iche Soli erklangen.
Extreme Kon­tak­t­freudigkeit des Spie­lens wurde beson­ders deut­lich, als die Sub­or­di­na­tion „Solist – Orch­ester­musik­er“ im Mitwirken eines Schaus­piels ver­schwand, wie etwa in Paganinis 
Il carnevale di Venezia, wo der Diri­gent demon­stra­tiv zurück­trat und die Hal­tung des Solis­ten sowie aus­gewählte Tem­pi und Nuan­cen das Ganze prägten. Dass das Karneval­is­tis­che, Spielerische in diesem Stück zum Hauptele­ment wurde, begrüßten die Zuhör­er ger­adezu stür­misch. Auch die Gren­ze zwis­chen den Inter­pre­ten und dem Audi­to­ri­um löste sich allmäh­lich auf: Spon­tan äußerten die Zuhör­er ihre Gefüh­le, indem sie sich bewegten und tanzten – sowohl in lyrischen Episo­den wie im Inter­mez­zo aus Mascag­nis Cav­al­le­ria rus­ti­cana als auch im Walz­er Wiener Bürg­er von Carl Michael Ziehrer oder am Schluss in Paul Linck­es Schlager Berlin­er Luft. Ohne Zauber­sprüche und märchen­hafte Wün­schel­rute wurde ein echt­es Wun­der voll­bracht: Zauber und Magie der Natur und der Kun­st waren in dieser Nacht allgegenwärtig.
 
Mari­na Lobanova