Kleczynski, Jan Baptysta

6 String trios op. 4

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Acte Préalable AP0264/0265
erschienen in: das Orchester 07-08/2013 , Seite 78

1756 – die Jahreszahl lässt aufhorchen. Im sel­ben Jahr wie Mozart geboren, weist das Leben Jan Bap­tys­ta Kleczyn­skis allerd­ings son­st kaum Par­al­le­len zu dem des Wiener Klas­sik­ers auf. Zwar zog der pol­nis­che Geiger und Kom­pon­ist nach weit­ge­hend im Dunkeln liegen­den Jahren der Aus­bil­dung (wed­er weiß man genau, wo Kleczyn­s­ki sein kom­pos­i­torisches Handw­erk erlernt, noch, von wem er seine Vir­tu­ose­naus­bil­dung erhal­ten hat) und ersten Anstel­lun­gen im großen Hab­s­burg­er­re­ich dann schließlich ganz am Ende des 18. Jahrhun­derts auch ins kaiser­liche Wien – doch zu dieser Zeit war Mozart längst tot.
Das musikalis­che Erbe des als Johann Bap­tist Klet­zin­sky in Freis­tadt (dem heuti­gen Karv­iná in Nor­dost-Tschechien) zur Welt gekomme­nen Vio­lin­vir­tu­osen ist nur äußerst schmal – mit den sechs Stre­ichtrios op. 4 liegt allerd­ings ein ganz­er Werkzyk­lus vor, der es zumin­d­est in Ansätzen erlaubt, Kleczyn­skis Musikalität nachzus­püren. Das halbe Dutzend ähn­lich gebauter und mit je 15 Minuten Spielzeit recht über­sichtlich­er Trios weist – wollte man einen Ver­gle­ich mit Mozart her­anziehen – eher in Rich­tung von dessen frühen Kirchen­sonat­en. Ins­beson­dere die Eck­sätze sind sehr melodiebe­tont und fast auss­chließlich auf die Vio­line zugeschnit­ten. In der führen­den Stimme glaubt man bisweilen musikalis­che Zitate von Zeitgenossen durchzuhören, wobei der Beginn von Mozarts G‑Dur-Vio­linkonz­ert im zweit­en Trio in der­sel­ben Tonart fast wörtlich über­nom­men wird.
Jan Bap­tys­ta Kleczyn­s­ki ent­deckt mit seinen sechs Stre­ichtrios also weniger kom­pos­i­torisches Neu­land; der Wert der Werke liegt eher in ein­er soli­den, teil­weise fast volk­stüm­lichen und leicht ver­ständlichen Musikalität. Dass die gut einein­halb Stun­den dreis­tim­miger Stre­icher­musik den­noch nicht lang­weilig wer­den, liegt an der blitzblanken Wieder­gabe des Trios Ale­gri­ja mit Maria Milkows­ka (Vio­line), Mag­dale­na Sier­pi­en-Wyw­roc­ka (Vio­la) und Prze­mys­law Wierz­ba (Vio­lon­cel­lo). Die drei Musik­er des Phil­har­monis­chen Orch­esters in Kielce in Süd­polen, die sich vor drei Jahren zu dieser Kam­mer­for­ma­tion zusam­mengeschlossen haben, bieten einen per­fekt aus­bal­ancierten Klang, den die vor­liegende Auf­nahme trennscharf, wen­ngle­ich, auf­grund des Kirchen­raums, in dem der Mitschnitt erfol­gte, etwas hal­lig ein­fängt.
Die führende Vio­line zeigt sich dabei stets sehr beweglich und bis auf ganz wenige Aus­nah­men auch in höheren Lagen sehr sauber intonierend. Bratsche und Cel­lo müssen zwar auf­grund der nur rudi­men­tär aus­geprägten kon­tra­punk­tis­chen Arbeit Kleczyn­skis zumeist mit Begleit­fig­uren vor­lieb nehmen, brin­gen diese aber gut kon­turi­ert in den Ensem­bleklang ein. Auch wenn man sich den ein oder anderen Ron­do- oder Menuett-Satz noch etwas zupack­ender aus­mu­siziert vorstellen kön­nte, so haben die vor­liegen­den Auf­nah­men vor allem in den Kopf­sätzen ihre Stärken. Dort macht das Trio Ale­gri­ja seinem Namen alle Ehre und ver­wan­delt Jan Bap­tys­ta Kleczyn­skis Stre­ichtrios in kleine Vio­linkonz­erte.
Daniel Knödler