Werke von Gaetano Donizetti und Giuseppe Verdi

Hila Fahima (Sopran), Radio Symphonie Orchester Wien, Ltg. Michele Gamba

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Verlag/Label: Orfeo C210201
erschienen in: das Orchester 11/2021 , Seite 78

Sie gehört zu den Sän­gerin­nen, die schon in sehr jun­gen Jahren eine bemerkenswerte Kar­riere gemacht haben: die israelis­che Sopranistin Hila Fahi­ma. Schon mit 22 Jahren war die in ihrer Heimat aus­ge­bildete Sän­gerin an der Deutschen Oper in Berlin engagiert. Von dort ging sie 2013 an die Wiener Staat­sop­er, wo sie in vie­len großen Par­tien des Koloratur­reper­toires auftritt. Zu ihren Glanzrollen gehörte nicht umson­st schon früh die Köni­gin der Nacht in Mozarts Zauber­flöte.
Nun hat Hila Fahi­ma ein erstes Solo-Album vorgelegt. Es ist vor allem der Bel­can­to-Kun­st von Gae­tano Donizetti gewid­met, ergänzt durch zwei Arien von Ver­di: der koloraturen­re­ichen Arie der Gil­da aus Rigo­let­to und der mal lyrischen, mal bril­lanten der Amalia aus I mas­nadieri. Dass die Gil­da eine bevorzugte Par­tie der Sän­gerin ist, die sie schon als Jugendliche im Blick hat­te, wird in ihrem sehr pointierten und klan­glich in jedem Ton exquis­iten Vor­trag deut­lich. Die Reife, Schön­heit und Sicher­heit ihres Gesangs zeigen sich hier aufs Schön­ste. Fahi­ma führt ihre Stimme in allen Reg­is­tern mit ein­er ger­adezu instru­men­tal­en Ton­qual­ität, Into­na­tion­ssicher­heit und Geradlinigkeit.
Kern­stück des Pro­gramms ist natür­lich, das ver­wun­dert bei Donizetti kaum, die Wahnsinnsszene aus Lucia di Lam­mer­moor in der orig­i­nalen Fas­sung mit Glashar­moni­ka statt Quer­flöte. Auch hier glänzt die Sän­gerin durch einen Gesangsstil, der frei von allen Manieris­men und Klis­chees ist. Sie gestal­tet ihre Fig­uren ganz aus der Musik, aus Ton und Kan­ti­lene her­aus. Ihr Sin­gen wirkt dabei müh­e­los und schwebend leicht.
Der Klang ihrer Stimme hat Kör­p­er und Kraft, was nicht nur die strahlen­den und unangestrengten Spitzen­töne beweisen. Der Wohllaut des Soprans von Hila Fahi­ma zeigt sich auch in den aus­drucksvoll phrasierten lyrischen Lin­ien. Dergestalt alle Tugen­den eines kun­stvollen Koloraturge­sangs aus­prä­gend, wird Hila Fahi­ma auf ihrem Album allen Arien überzeu­gend gerecht.
Neben der großen Lucia-Szene und den bei­den Ver­di-Arien bringt sie sechs weit­ere Donizetti-Arien: vier bekan­nte und zwei Rar­itäten. Ger­ade diese bei­den Stücke aus Emil­ia di Liv­er­pool und Ros­mon­da d’Inghilterra sind sehr bemerkenswert und effek­tvoll. Erst recht in Fahi­mas gewin­nen­der Präsentation.
Mit der bekan­nten Arie der Nori­na aus Don Pasquale und der der Adi­na aus dem zweit­en Akt des Liebe­stranks kommt auch die komis­che Oper vor – und mit der Szene und Arie der Marie aus der Reg­i­mentstochter die franzö­sis­che. Mit der Cavati­na der Lin­da aus Lin­da di Chamounix wird die Folge mit einem glanzvoll gesun­genen Donizetti-Hit eröffnet.
Sehr sich­er und sou­verän wird auf dieser im August 2020 in Wien beim ORF aufgenomme­nen CD Hila Fahi­ma vom ORF Radio Sym­phonie Orch­ester Wien unter Michele Gam­ba begleit­et. Mit einem kom­pak­ten Klang und straf­fen Impulsen geben der Diri­gent und das Orch­ester der Sän­gerin eine ide­ale Basis zur Ent­fal­tung ihrer Gesangskunst.
Karl Georg Berg