Werke von Ernest Chausson, Arno Babajanyan und Sergei Rachmaninoff

Klaviertrio g-Moll op. 3/Klaviertrio fis-Moll/ Klaviertrio Nr. 1 g-Moll „Trio élégiaque“

Schwarzenberg Trio

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Decurio
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 78

Das CD-Label „decurio“, das sich der Entdeckung unbekannter klassischer Musik und der Förderung von aufstrebenden Künstler:innen gewidmet hat, wurde 2018 von den Produzenten Lukas Kowalski und Benedikt Schröder in Berlin gegründet. Bisher liegen beispielsweise Einspielungen des Klavierquartetts von Sibelius vor, ungewöhnliche Instrumentalkombinationen wie eines Duos von Harfe und Saxofon nebst Streichquartett oder Kammermusik von Komponisten, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ verteufelt wurden. Aktuell ist nun bei „decurio“ die zweite, sehr transparent aufgenommene CD des aufstrebenden Schwarzenberg Trios erschienen, die unter dem Titel Elegie Werke außerhalb des gängigen Werkkanons vereint.
Ernest Chaussons g-Moll-Trio op. 3, das fis-Moll-Trio von Arno Babajanyan sowie das Trio élégiaque von Sergei Rachmaninoff stellen, alle in Moll stehend, jeweils die erste Auseinandersetzung der Komponisten mit der Gattung dar. Wie schon der Titel der CD „Elegie“ suggeriert, verbindet die Werke ein oft wehmütiger, trauriger Tonfall, der auch Abschied, Trauer oder einen Klagecharakter annehmen kann. Dramatik oder Aufbegehren ist aber zumindest als Kontrast stets präsent. So wird schon der Kopfsatz von Ernest Chaussons op. 3 vom Wechsel von Trauer und Überschwang geprägt. Der Geiger Franz-Markus Siegert, Roland Lindenthal (Cello) und Hanna Bachmann am Bösendorfer-Flügel finden einen mehr als überzeugenden Zugang zu Chausson und der Eigenart seiner Musik, die einerseits von seinem Lehrer César Franck geprägt ist, worauf auch die zyklische Anlage des Trios von 1881 verweist, aber schon impressionistische Farbvielfalt antizipiert. Das Schwarzenberg Trio, der Name verweist auf das berühmte Wiener Kaffeehaus Schwarzenberg, wo sich die Musiker:innen kennengelernt haben, setzt sich mit dramatischem Nachdruck für das Werk ein.
Sergei Rachmaninoffs elf Jahre später entstandenes einsätziges Trio élégiaque, ebenfalls in g-Moll, hat den Charakter eines schwermütigen Klagegesangs. Das Schwarzenberg Trio wirft mit großem Differenzierungsvermögen einen Sentimentalität meidenden Blick auf die kompakte Partitur, mit klar konturiertem Spiel der Pianistin ebenso wie mit schlank gehaltenen Streicherklängen. Arno Babajanyans fis-Moll-Trio, 1952 in Moskau uraufgeführt, ist das unbekannteste Werk auf dieser CD. Der 1921 geborene armenische Komponist, er starb 1983, schrieb eine melodienreiche, von der Tradition seiner Heimat inspirierte Musik mit gemäßigt modernen Anklängen. Das Schwarzenberg Trio kostet diese Melodien ebenso kraftvoll aus wie es das Finale packend gestaltet. Wobei die inzwischen rund 30 Jahre alte Einspielung des Bamberger Klaviertrios (Thorofon) Babajanyans Komposition noch eine Spur nachdrücklicher angeht.
Thomas Weiss

 

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