Gustav Mahler
Sinfonien Nr. 1-9
Christiane Karg, Katerina Knezikova, Miriam Kutrowatz, Chen Reiss, Sarah Wegener, Stefanie Iranyi, Jennifer Johnston, Elisabeth Kulman u. a. (Gesang), Prague Philharmonic Choir, Czech Philharmonic Choir of Brno, Czech Philharmonic Orchestra, Ltg. Semyon Bychkov
Die Tschechische Philharmonie ist unter Dirigenten wie Václav Neumann und Karel Ančerl berühmt geworden. Von hoher musikalischer Qualität ist auch diese Einspielung der Sinfonien Nr. 1 bis 9 von Gustav Mahler unter der Leitung von Semyon Bychkov. Hervorzuheben ist hier vor allem der voluminöse Klang der Streicher mit schönen Legato-Bögen. Dies zeigt sich insbesondere bei der Interpretation des ersten Satzes der Sinfonie Nr. 7 in e-Moll aus dem Jahre 1905, wo das tastend dumpfe Drängen der Harmonik überzeugend hervorgehoben wird. Die Bläser rufen sehr energisch das zukunftsweisende Thema mit Heldenpose auf. Die Violinen intonieren das zweite Thema ausgesprochen leidenschaftlich. Und die Durchführung der Sonatenform erhält eine genaue Struktur, die nie auseinanderfällt. Sieghaft jubelnde Selbstbestätigung wird nicht übertrieben.
Eindrucksvoll gelingt auch die monumentale achte Sinfonie in Es-Dur, die berühmte „Sinfonie der Tausend“. Dies liegt auch an den vortrefflichen Gesangssolist:innen. Der Prager Philharmonische Chor und der Tschechische Philharmonische Chor von Brno sowie der Prager Philharmonische Kinderchor durchleuchten zusammen mit der vorzüglichen Tschechischen Philharmonie den überdimensionalen Klangapparat höchst eindringlich. Vor allem werden alle Motive und Themen so zusammengehalten, dass auch die Melodik zu ihrem Recht kommt und nie auseinanderbricht. Die Stimmen eilen in atemlosen Fugato-Einsätzen vorwärts und der Klangrausch der letzten Schlusssteigerung gelingt überwältigend. Im zweiten Teil faszinieren die wechselvollen Stimmungen der Schlussszene aus Goethes Faust II, wobei der mystische Grundzug des Werks nicht übertrieben wird. Zuletzt klingt alles im machtvollen Glanz des „Veni, creator spiritus“-Geistes aus.
Sphärenhaft leicht erscheint die Sinfonie Nr. 4 G-Dur mit der Sopranistin Chen Reiss. Sehr überzeugend gelingt bei dieser Einspielung aber auch die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 5 in cis-Moll. Insbesondere das Rondo-Finale mit seinen enormen spieltechnischen Anforderungen und der ungeheuren Doppelfuge sowie dem Choral bleibt im Gedächtnis.
Das Finale der ersten Sinfonie in D-Dur ist ebenfalls ein klanglicher Höhepunkt. Der befreite Bläser-Jubel des Schlusses geht unter die Haut. Die gewaltigen Auseinandersetzungen in der Sinfonie Nr. 6 in a-Moll prägen sich beim Hörer tief ein. Das Dur-Moll-Schicksalsmotiv nach den wuchtigen Hammerschlägen tritt in unerbittlicher Größe hervor.
Ein weiteres „Highlight“ ist das ergreifend musizierte Finale der Sinfonie Nr. 9 in D-Dur, wo insbesondere die Violinen in jeder Beziehung glänzen. „Meine Zeit wird kommen“, meinte der oft unterschätzte Komponist. Mit dieser Einspielung wird die Erkenntnis bestätigt.
Alexander Walther


