Georg Philipp Telemann

Ouverture & Suite à 5 F-Dur „La Joye“/Ouverture & Suite à 5 F-Dur für 2 Hörner, 2 Oboen (Violinen) und Fagott

hg. von Roland Steinfeld

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 72

Georg Philipp Telemann hat Hunderte von Suiten und Konzerten für Orchester geschrieben, von denen eine große Zahl nicht erhalten ist. Und von den inzwischen insbesondere über die Veröffentlichungen der letzten Jahre verfügbaren Werken sind nach wie vor die allerwenigsten im Konzertleben verankert. Eine größer werdende Zahl an auf Barockmusik spezialisierten Ensembles legt zwar regelmäßig hochqualitative Aufnahmen vor, die unter Beweis stellen, welch einfallsreicher und mit großem musikalischem Witz gesegneter Komponist Telemann war, aber wirklich bekannt sind die Werke des Magdeburger Bach- und Händel-Zeitgenossen nicht. Vielleicht ist es das schiere Übermaß an Material, das eine nachhaltige Verbreitung verhindert, denn die „Massentauglichkeit“ geht Telemann auch im Vergleich mit seinen ungleich präsenteren Musikerkollegen nicht ab.
Die beiden jetzt in der Edition Walhall erschienenen Suiten in F-Dur sind sogar im Œuvre von Telemann ein wenig besonders, sind sie doch ursprünglich für eine reine Bläserbesetzung gedacht, und damit wohl durchaus auch für Freiluftaufführungen konzipiert worden. Der Gedanke an Händels Wasser- oder Feuerwerksmusik liegt nahe, und in der Tat hätte man als Zuhörerin oder Zuhörer vielleicht sogar Schwierigkeiten, den Urheber so genau zu unterscheiden, schmuggelte man einen Telemann-Satz in das Werk des Hallenser Kollegen. Telemanns fünf- beziehungsweise sechssätzige Suiten, die jeweils von einer Ouvertüre eingeleitet werden, erwecken in ihrer Besetzung mit Hörnern, Oboen und Fagott sofort festliche Assoziationen. Jagden und andere Feierlichkeiten an fürstlichen Höfen mögen Entstehungsanlässe für die Werke gewesen sein, die jedoch weit mehr als kurzweilige Gebrauchsmusik darstellen.
Wie im Barockzeitalter üblich, darf man die ursprünglich vorgesehenen Besetzungen durchaus als veränderbare Vorschläge sehen. So profitieren Telemanns Bläsersuiten ganz bestimmt von einem erweiterten Generalbassfundament (zum Beispiel mit Violoncello und Cembalo). Das kann im Falle einer chorischen Besetzung aller oder einzelner Sätze natürlich auch um ein 16-Fuß-Register erweitert werden. Und die Oboenstimmen können entweder durch Violinen ausgeführt oder durch diese verdoppelt werden. Sogar eine Abwechslung von Tutti- und Solobesetzungen oder das alternierende Spiel von Oboen und Violinen ist in einzelnen Sätzen denkbar. Viele Gestaltungsmöglichkeiten also, die sicherlich ganz im Sinne Georg Philipp Telemanns wären – auch, weil die vorliegenden Werke viel zu schade sind, um nur gelegentlich einmal zu erklingen.
Daniel Knödler

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