Bodsch, Ingrid / Gerd Nauhaus (Hg.)

Zwischen Poesie und Musik

Robert Schumann – früh und spät

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Stroemfeld, Frankfurt am Main 2006
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 79

Während das Mozart-Jahr viel Mit­telmäßiges und Unnötiges auf den Markt gebracht hat, waren die Früchte des Schu­mann-Jahrs 2006 weitaus ergiebiger. Hier nun liegt „Begleit­buch und Kat­a­log“ zu ein­er Ausstel­lung vor, die von Juni bis Okto­ber 2006 im Bon­ner Ernst-Moritz-Arndt-Haus gezeigt wurde und bis Jan­u­ar 2007 im Robert-Schu­mann-Haus Zwick­au zu sehen war. Träger der Ausstel­lung waren das Stadt­Mu­se­um Bonn und die Robert-Schu­mann-Gesellschaft Zwick­au. Gle­ichzeit­ig war es eine Art Abschieds­geschenk für Gerd Nauhaus, der jüngst als Leit­er des Schu­mann-Haus­es in den Ruh­e­s­tand getreten ist. (Dass die Schu­mann-Samm­lung der Uni­ver­sitäts- und Lan­des­bib­lio­thek Bonn – nur wenige Häuser vom Ernst-Moritz-Arndt-Haus ent­fer­nt – nicht berück­sichtigt wer­den kon­nten, mag der einzige Schön­heits­fehler dieser Ausstel­lung gewe­sen sein.)
Schw­er­punk­te des Ban­des sind zum einen Schu­manns Jugend und kom­pos­i­torische Anfänge, in großer Aus­führlichkeit mit Erstveröf­fentlichung divers­er Orig­i­nalquellen dargestellt. Viele Aspek­te von Schu­manns Jugend wer­den endlich von mythis­chen Anek­doten befre­it, Schu­mann erfährt eine Ver­lebendi­gung vor allem durch authen­tis­che Doku­mente; der Les­barkeit hal­ber wer­den lei­der nicht alle zitierten Quellen en détail nachgewiesen, was den wis­senschaftlichen Wert des Ban­des ein wenig min­dert. Doch find­en sich so viele Schätze, von fak­sim­i­lierten Album­blät­tern über Minia­turen von Schu­mann-Fre­un­den bis hin zu zahlre­ichen erst­mals veröf­fentlicht­en Noten­manuskript­seit­en, dass man staunt über all das, was so lange unbekan­nt geblieben war.
Zwei Kapi­tel zu Schu­mann in Wien beleucht­en einen vielfach im Schat­ten gebliebe­nen Abschnitt in seinem Leben, ehe der umfan­gre­ich­ste dritte Teil sich mit Schu­mann in Düs­sel­dorf befasst. Dies­mal sind es Tage­buchaufze­ich­nun­gen des langjähri­gen Fre­un­des und Düs­sel­dor­fer Konz­ert­meis­ters Rup­pert Beck­er, die Schu­manns spätere Leben­s­jahre und ins­beson­dere seinen Selb­st­mord­ver­such im März 1854 unmit­tel­bar wider­spiegeln.
Die Qual­ität der Beiträge ist durchgängig aus­ge­sprochen hoch – höher gar als die eben­falls äußerst opu­lente Bil­dausstat­tung. Selb­st für einen Ausstel­lungskat­a­log ist die Zahl der Far­bil­lus­tra­tio­nen aus­ge­sprochen hoch, dazu kon­nte fast durchgängig eine Qual­ität gewahrt wer­den, die Bewun­derung her­vor­ruft. Nur einige wenige Repro­duk­tio­nen und die unver­ständlicher­weise mit Rah­men verse­henen Noten­beispiele fall­en da ein wenig ab – wahrschein­lich war hier­für die Druck­erei ver­ant­wortlich. Keine „Bild­bi­ografie“ im eigentlichen Sinne wurde hier vorgelegt, dafür aber eine Quel­len­samm­lung, die ihres­gle­ichen sucht und für den an Schu­mann Inter­essierten unendlich viel Neues bietet.
Jür­gen Schaarwächter