Dommuseum zu Salzburg (Hg.)

Zwischen Himmel & Erde

Mozarts geistliche Musik, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Carus/Schnell & Steiner, Stuttgart/Regensburg 2006
erschienen in: das Orchester 01/2007 , Seite 79

Ich geste­he, dass mich dieses Buch ein wenig rat­los zurück lässt. Was ist das? Ein Ausstel­lungskat­a­log, gewiss. Als solch­es hat es seine Meriten und macht Porträts, Noten­hand­schriften, Auto­grafen und Musikalien Mozarts und einiger Zeitgenossen zugänglich. Darunter ist auch das umstrit­tene Porträt des Münch­n­er Malers Johann Georg Edlinger in Berlin, von dem die Berlin­er Gemälde­ga­lerie behauptet, es stelle Mozart dar – in dem Kat­a­log wird dies vehe­ment und mit guten Argu­menten bestrit­ten. Die Ausstel­lung reicht bin hin zu Pro­duk­tio­nen heutiger Kün­stler.
Ander­er­seits aber scheint der Kat­a­log wie eine groß angelegte Recht­fer­ti­gung des Katho­liken und katholis­chen Kirchen­musik­ers Mozart sein zu wollen. Braucht der Kom­pon­ist diese Recht­fer­ti­gung? Offen­sichtlich ja, son­st hätte sie nicht einen so bre­it­en Raum ein­genom­men in einem Kat­a­log, der sich eigentlich mit ganz anderen Din­gen befasst. Ver­schiedene Gruß­worte und Kurz-Feuil­letons kom­men hinzu, u.a. von keinem Gerin­geren als Wolf­gang Schüs­sel, der sich hier meines Wis­sens erst­ma­lig als Musikschrift­steller zu pro­fil­ieren sucht.
Inter­views mit Harnon­court und anderen Größen schließen sich an, nicht ohne dass ein Klaus Küng von der heilen­den Wirkung der Musik Mozarts spricht. Wohlan denn, lasst uns Mozart hören! Fehlt nur noch der Hin­weis auf die milch­fördernde Wirkung von Mozarts Musik in Kuh­ställen. Abge­se­hen aber von diesen staunen­erre­gen­den Beiga­ben find­et sich eine Fülle von Mate­r­i­al und Infor­ma­tio­nen, die dur­chaus der Ken­nt­nis­nahme und der Würdi­gung wert sind. Ein opu­len­ter Bildteil, sorgfältig recher­chiert und doku­men­tiert, macht optis­ches und wis­senschaftlich­es Vergnü­gen.
Diederich Lüken