Elīna Garanča

Zwischen den Welten

Mein Weg auf die großen Opernbühnen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Ecowin
erschienen in: das Orchester 09/2019 , Seite 57

Sie zählt zu den aktuell größten Sän­gerin­nen des Musiku­ni­ver­sums. Höchst ver­wand­lungs­fähig auf der Bühne und mit einem göt­tlich klaren, beweglichen Mez­zoso­pran ist sie hochmusikalisch in allen Gen­res zu Hause. Sie gibt bere­itwillig Inter­views, ist seit 13 Jahren Ehe­frau, zweifache Mut­ter und zulet­zt auch noch Autorin, die nun nach Das Wichtig­ste sind die Schuhe (2013) soeben bei Ecowin ihr zweites Buch veröf­fentlichte. Dieses trägt den Titel Zwis­chen den Wel­ten. Die mit so viel Tal­ent wie Energie aus­ges­tat­tete Per­son ist Elī­na Garanča.
Auf 255 Seit­en, die mit wun­der­baren Fotos sowohl von ihr als Diva als auch als Pri­vat­per­son bestückt sind, erzählt sie höchst authen­tisch und mit Humor von ihrer Ner­vosität – resul­tierend auch aus dem Druck, den sie sich als Per­fek­tion­istin selb­st macht –, von Ehrgeiz, Selb­stzweifeln, Melan­cholie und dem Spa­gat, die Bal­ance und Ori­en­tierung zwis­chen All­t­ags- und Büh­nen­welt zu hal­ten und zu wahren.
Sie berichtet dabei flüs­sig und gegen­warts­be­zo­gen oft im Präsens, greift zurück auf Gespräche mit Kol­le­gen, mit denen sie sich über das Beson­dere am Leben eines Sängers aus­tauscht, analysiert sich selb­st eben­so tiefge­hend wie die Fig­uren, die sie auf der Bühne verkör­pert, wobei sie immer auf der Suche nach Neuem und Weit­er­en­twick­lung ist. Wenn der Druck zu groß wird, hil­ft Elī­na Garanča sich selb­st, indem sie auf ihren boden­ständi­gen und naturver­bun­de­nen Anteil zurück­greift: Vor ein­er Pre­miere hil­ft Bügeln, ein Zuviel von allen Seit­en wird mit Garte­nar­beit kom­pen­siert.
Aufgewach­sen als Tochter ein­er Musik­er­fam­i­lie in Riga erlebte sie zunächst eine Nieder­lage nach der anderen, nach­dem die 17-Jährige beschlossen hat­te, Sän­gerin zu wer­den. Ihre Eltern rieten ihr zu ein­er Lauf­bahn als Musikpäd­a­gogin oder Kul­tur­man­agerin, doch Elī­na set­zte sich durch, wurde let­ztlich an die let­tis­che Akademie für Musik aufgenom­men und lernte 1997 ihre kün­ftige Lehrerin Iri­na Gavrilovi­ci ken­nen, die sie nach Wien holte und auf den Belvedere Gesangswet­tbe­werb vor­bere­it­ete, bei dem sie das Semi­fi­nale erre­ichte. Dann ging es ziem­lich schnell: Einem Ein­springer in Bukarest und einem erfol­gre­ichen Vorsin­gen für die Opéra in Meinin­gen fol­gten diverse Wet­tbe­werbe, die let­ztlich an der Paris­er Oper Bastille mün­de­ten, wo sie ihre ersten großen Erfolge feierte.
In einem BR-Inter­view von 2016 spricht sie zwar über ihr erstes Buch, doch drück­en ihre Worte dort aus, was auch im aktuell Veröf­fentlicht­en eben­so erfrischend wie inter­es­sant ist: „Das Buch habe ich ehrlich und offen geschrieben, so wie ich bin. Ich wollte zeigen, wie ich, als Kün­stler, im All­t­ag ticke. Dabei wollte ich auch gewisse Klis­chees der bekan­ntlich glam­ourösen Welt brechen. Es ist nicht nur schön, son­dern manch­mal auch trügerisch. Man kann nicht offen auf der Bühne sein, wenn man das im richti­gen Leben auch nicht ist.“
Stimmtech­nis­che Details und Ein­blicke in die Arbeit auf der Bühne, mit Regis­seuren und Diri­gen­ten find­en neben per­sön­lichen State­ments eben­falls ihren Platz, was diese Lek­türe abso­lut lohnend macht.
Kathrin Feld­mann