Bekmeier-Feuerhahn, Sigrid / Karen van den Berg/Steffen Höhne et al.

Zukunft Publikum

Jahrbuch für Kulturmanagement 2012, Bd. 4

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Transcript, Bielefeld 2012
erschienen in: das Orchester 06/2013 , Seite 61

Es gibt zwei The­men, die Kul­turbe­triebe seit Jahren bewe­gen: die nach­haltige Finanzierung und das kün­ftige Pub­likum. Vor diesem Hin­ter­grund ist es nur fol­gerichtig, wenn sich die zahlre­ichen Autoren des Jahrbuchs für Kul­tur­man­age­ment 2012 aus ver­schieden­sten Per­spek­tiv­en mit der Zukun­ft des Pub­likums befassen. Das Her­aus­ge­berteam wirft in der Ein­leitung die entschei­den­den Fra­gen auf: Wie sehen die Kul­tur­ange­bote der Zukun­ft aus? Wer sind die Besuch­er von mor­gen, wer die Kul­turschaf­fend­en? Wie äußern sich Über­schnei­dun­gen zwis­chen Kul­tur­nutzung, Kul­tur­pro­duk­tion und Kul­turgestal­tung?
Bir­git Man­del beispiel­sweise beklagt in ihrem Beitrag zum Audi­ence Devel­op­ment, dass es immer noch gravierende Män­gel und Lück­en in der Besuch­er- und Pub­likums­forschung gibt. Außer­dem müssten nicht nur die richti­gen Fra­gen gestellt, son­dern auch neue Strate­gien entwick­elt, erprobt und bew­ertet wer­den, um neue Zugänge zu ver­schiede­nen Bevölkerungs­grup­pen zu find­en. Sigrid Bek­meier-Feuer­hahn bezweifelt die Ver­trauenswürdigkeit viel­er Besucher­be­fra­gun­gen. Ins­beson­dere die sehr sub­jek­tiv­en Zufrieden­heit­saus­sagen von Besuch­ern seien oft­mals prob­lema­tisch und das Ergeb­nis von Beschöni­gung­s­ten­den­zen. Der Sozial­wis­senschaftler Karl-Heinz Reuband ver­gle­icht am Beispiel der Stadt Köln zwei empirische Stu­di­en von 1991 und 2010 zur Nutzung von Oper, The­ater, Konz­ert und Museen. Dabei erfreuen sich Museen unverän­dert höch­ster Beliebtheit. Für die anderen Kul­turein­rich­tun­gen zieht er daraus u.a. den Rückschluss, dass durch den Schnee­ball­ef­fekt von Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da die Besuch­sentschei­dun­gen nach­haltig bee­in­flusst wer­den kön­nen.
Inter­es­sant ist auch der Beitrag von Carsten Baum­garth und Mari­na Kaluza zu „Erfol­gs­fak­toren von Brand Com­mu­ni­ties im Kul­tursek­tor“, in dem es darum geht, wie sich aus Fre­un­deskreisen von Kul­turein­rich­tun­gen „Gemein­schaften von Fre­un­den“ bilden lassen. Am Fall­beispiel der Berlin­is­chen Galerie (Lan­desmu­se­um für Mod­erne Kun­st, Fotografie und Architek­tur) wird gezeigt, mit welchen Mit­teln es möglich sein kann, herkömm­liche Fre­un­deskreise strate­gisch noch bess­er mit den Belan­gen der Kul­turein­rich­tung in Verbindung zu brin­gen. In einem weit­eren Artikel geht es um empirische Ansätze zur Typ­isierung von Besuch­ern und „Fast­be­such­ern“ von Kul­turin­sti­tu­tio­nen. Denn so wichtig es ist, die bere­its vorhan­de­nen Besuch­er noch bess­er ken­nen zu ler­nen, umso wichtiger ist es, mehr über die grund­sät­zlich inter­essierten, aber noch nicht aktiv­en, poten­ziellen Besuch­er zu erfahren. Ein erster Ansatzpunkt sind die Gele­gen­heits­be­such­er, also die Einzelka­rten-Käufer, die wom­öglich zum wieder­holten Besuch ani­miert wer­den kön­nen. Diese müssen gezielt erfasst und dann auch ange­sprochen wer­den. Weit­ere Artikel des Jahrbuchs befassen sich u.a. mit Ausstel­lungs­man­age­ment im Muse­um, mit Besucher­par­tizipa­tion oder liefern Rezen­sio­nen wichtiger Neuer­schei­n­un­gen im Bere­ich des Kul­tur­man­age­ments. Jed­er, der sich mit dem The­ma „Pub­likum der Zukun­ft“ beschäftigt, wird in dem Buch wertvolle Anre­gun­gen find­en.
Ger­ald Mertens