Szymanowski, Karol

Works for Violin and Piano

Duo Brüggen-Plank: Marie Radauer-Plank (Violine), Henrike Brüggen (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 17459
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 72

Seit zehn Jahren musiziert das Duo Brüggen-Plank jet­zt zusam­men, und dies ist sein CD-Debüt. Das Duo beste­ht aus der öster­re­ichis­chen Geigerin Marie Radauer-Plank und der Pianistin Hen­rike Brüggen. Dass sich die bei­den Musik­erin­nen für ihr Debüt Werke von Karol Szy­manows­ki vorgenom­men haben, ist sehr zu begrüßen. Zum einen ist das Schaf­fen des pol­nis­chen Kom­pon­is­ten, dessen Todestag sich am 29. März zum achtzig­sten Mal jährte, bei uns noch immer stark unter­repräsen­tiert, und dies gilt nicht zulet­zt für seine Kam­mer­musik. Zum anderen hat das Duo nach eigen­er Aus­sage seit Beginn seines Beste­hens eine starke Affinität zu Szymanows­kis Musik ver­spürt: „Es fühlte sich an, als hät­ten wir einen Kanal gefun­den, uns musikalisch auszu­drück­en“, schreiben die Musik­erin­nen im Bei­heft zur CD.
In der Ein­spielung sind beina­he alle Werke Szy­manowskis für Vio­line und Klavier ver­sam­melt; es fehlen lediglich die Drei Capric­cios von Pagani­ni op. 40 und die Romanze op. 23. Dafür find­en sich zwei Tran­skriptionen, die Paul Kochan­s­ki aus Büh­nen­werken Szy­manowskis des­til­lierte: die Danse paysanne aus dem Bal­lett Har­nasie und das Lied der Rox­ane aus der Oper König Roger. Diese Auswahl ergibt insofern Sinn, als es sich bei der CD nicht nur um eine Hom­mage an Szy­manows­ki han­delt, son­dern auch an Kochan­s­ki: Der Kom­pon­ist arbeit­ete eng mit dem Geiger zusam­men, ohne dessen Unter­stützung ein großer Teil sein­er Vio­lin­lit­er­atur vielle­icht nie geschrieben wor­den wäre.
Die gesamte kom­pos­i­torische Entwick­lung Szy­manowskis ist im Pro­gramm der CD widerge­spiegelt: von der gele­gentlich noch hör­baren Bee­in­flus­sung durch Mod­elle der deutschen Spätro­man­tik in der Vio­lin­sonate über die in allen Far­ben schillernde Exotik in den Mythen op. 30 (Szy­manowskis bekan­ntestes Kam­mer­musik­w­erk) bis hin zum folk­loris­tisch gefärbten, her­ben Spät­stil, wie er sich in der Har­nasie-Musik man­i­festiert.
Man spürt die Liebe der Inter­pretinnen zur Musik in jedem Takt; eine koloris­tisch fein­er aus­tari­erte Inter­pre­ta­tion der Mythen etwa ist kaum vorstell­bar, eben­so wenig ein Mehr an Tem­pera­ment und Mut zum Risiko in der zweit­en Num­mer von Not­turno und Taran­tel­la. Dabei bleibt stets deut­lich, wie sehr Szy­manows­ki daran gele­gen war, den herkömm­lichen Vio­lin­klang durch man­nig­fache neuar­tige Spiel­tech­niken zu tran­szendieren – Tech­niken, die Marie Radauer-Plank so imponierend beherrscht, dass es Staunen macht. Das wäre allerd­ings nur die halbe Miete, wenn der durch­weg äußerst her­aus­fordernde Klavier­part der Werke nicht auf eben­so hohem Niveau real­isiert wäre. Doch auch Hen­rike Brüggen scheut kein­er­lei spiel­tech­nis­che Klip­pen und bewahrt dabei die starke Indi­vid­u­al­ität der Klavier­stimme, ohne sich in den Vorder­grund zu spie­len.
So kommt ein im besten Sinne part­ner­schaftlich­es Musizieren zus­tande, in dem zwei hochbe­gabte Musik­erin­nen ihre Fähigkeit­en eben­so selb­st­be­wusst wie selb­st­los in den Dienst eines genialen Kom­pon­is­ten stellen – wie es eben sein sollte in einem richti­gen Duo.
Thomas Schulz