Wonderful World

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Animato ACD6113
erschienen in: das Orchester 10/2010 , Seite 76

Sie haben mit ihrem Blech­bläserquin­tett Brassec­co 1999 den ersten Bun­de­spreis beim Wet­tbe­werb „Jugend musiziert“ gewon­nen, waren danach auch bei inter­na­tionalen Konkur­ren­zen erfol­gre­ich, spiel­ten auf der Expo 2000 in Han­nover, bereis­ten für das Goethe-Insti­tut Zen­tralasien und trat­en bei Fes­ti­vals zwis­chen Ober­st­dorf und Montser­rat in Spanien auf. Inzwis­chen haben sie auch bere­its Stellen in führen­den Münch­n­er Orch­estern. Die Fünf – es sind Thomas Berg sowie Kon­rad Müller (Trompete und Flügel­horn), Chris­t­ian Lofer­er (Horn), Sebas­t­ian Sager (Posaune) und Fabi­an Heichele (Tuba und Cim­bas­so) – nen­nen sich jet­zt munich brass con­nec­tion und haben im Novem­ber 2009 die CD Won­der­ful World aufgenom­men.
Dass sie so vielfach gefragt sind, ver­danken die Münch­n­er ihrem höchst musikalis­chen und musikan­tis­chen Spiel mit hoher Tonkul­tur und beachtlich­er Vir­tu­osität, die sie aber nicht etwa pen­e­trant her­ausstellen. Für ihr Album haben sie sich ein amerikanis­ches Pro­gramm zusam­mengestellt, und also mag der Name des Ensem­bles auch so etwas wie ein Pro­gramm sein. Sig­nal­haft begin­nt die CD mit Aaron Cop­lands leg­endär­er Fan­fare for he Com­mon Man, in der die Bläs­er durch das Schlagzeug-Duo Muni­cus­sion unter­stützt wer­den. Auf dieser CD begeg­net der Hör­er auch Rar­itäten und Stück­en neueren Datums, so etwa den Four Scetch­es von 1989 des heute in Freiburg im Breis­gau lehren­den amerikanis­chen Trompeters Antho­ny Plog. Der Alle­gro-Kopf­satz ist leb­haft rhyth­misch und wartet mit effek­tvollen Synkopen und über­raschen­den Schleifen auf, das fol­gende Vivace stellt die gestopfte Solotrompete her­aus. Das Andante erin­nert an einen langsamen Satz des Barock, bietet natür­lich weitaus fortschrit­tlichere Har­monik. Das Finale bringt Gegen­wart und qua­si-barock­en Puls auf einen gemein­samen Nen­ner. Eine Neuheit ist auch Ker­ry Turn­ers The Cas­bah of Tetouan (1990), ein far­biges Stück mit einem gestal­tre­ichen Ablauf.
Mit dem Ada­gio von Samuel Bar­ber begin­nen die Beispiele aus dem amerikanis­chen Kern­reper­toire des 20. Jahrhun­derts. Allerd­ings besitzt dieser Satz in sein­er Orig­i­nalbe­set­zung mit Stre­ichquar­tett oder Stre­i­chorch­ester mehr Intim­ität, eine stärkere Aura und größere dynamis­che Span­nung. Das mag der Grund dafür sein, dass das Arrange­ment von Stephen McN­eff (ursprünglich für The Cana­di­an Brass) die Spiel­d­auer um mehr
als zwei Minuten verkürzt. Ähn­lich im getra­ge­nen Ges­tus ist Ralph Carmichaels Gospel There is a Qui­et Place, das – wie einige weit­ere Titel – der Bass­posaunist Ingo Luis für die Münch­n­er Bläs­er arrang­ierte. Leonard Bern­steins West Side Sto­ry ist natür­lich ein Hauptwerk, und Luis stellte einen passenden Quer­schnitt zusam­men. Auch Duke Elling­tons East St. Louis Too­dle-Oo von 1927 kann als Klas­sik­er gel­ten.
Ein paar Hits – bekan­nt von Frank Sina­tra oder Louis Arm­strong – mussten wohl auch sein, so New York, New York und What a won­der­ful world, bei dem der Tubist sich mit ein­er gesun­genen „Satchmo“-Kopie hören lässt. Eigentlich hätte das Quin­tett aber solche Mätzchen nicht nötig.
Gün­ter Buh­les